Produkt: Gitarre & Bass 7/2019 Digital
Gitarre & Bass 7/2019 Digital
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G&B Testbericht

Dean Hillsboro Single & J Bässe im Test

Zwei Dean-Bassgitarren, schwarz / weiß, stehend
(Bild: Dieter Stork)

In den unteren Preisklassen werden zumeist einfach gebaute Kopien erfolgreicher Modelle angeboten, eigene Formen sind da schon seltener. Deans Hillsboro Bass ist zugleich günstig und eigenständig. Wir haben die Dean Hillsboro Single & J Bässe getestet. 

 

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Das traut sich nicht jeder Hersteller, schon gar nicht bei chinesischen Produkten, die ja in Massen verkauft werden müssen, damit sich die Sache lohnt. Aber unübersehbar pflegt die Hillsboro-Serie eine eigene Linie und bietet damit eine poppige Abwechselung im phantasielosen Wust der nachgemachten Fenderformen. Mit zwei verschiedenen Pickup-Bestückungen geht Dean sogar auf feinere Geschmacksunterschiede seiner Kunden ein.

Konstruktion von Dean Hillsboro Single und J

Natürlich ist die Machart der Bässe schlicht und geradlinig, etwas anderes kann man in der Preiskategorie nicht erwarten. Oder doch? Denn während beim Hillsboro Single, der mit einem MM-Style-Humbucker bestückt ist, der Korpus aus massivem Lindenholz einfach deckend weiß lackiert ist, kann das Modell J mit seiner JJ-Bestückung immerhin die noble Optik einer geflammten Ahorndecke vorweisen. Die ist zwar hauchdünn auf den Basswood-Body aufgeleimt, aber insgesamt überzeugt die saubere Verarbeitung. Die aufgeschraubten Ahornhälse sind von ordentlicher Holzqualität, einstreifig mit liegenden Jahresringen gebaut und mit einem Ahorngriffbrett versehen. Eine aufwendige Lackierung wurde dabei zugunsten eines griffigen Oil-Finishs eingespart.

Auch die Ausstattung macht einen tadellosen Eindruck. Die offenen Stimmmechaniken im Vintagelook sind von der robusteren Sorte und arbeiten exakt, der verwendete Steg bringt Masse und Solidität ins Spiel, was der Sustain-Entwicklung zugutekommt. Und beide Hillsboro-Modelle sind mit aktiver Elektronik ausgerüstet, sodass getrennte Klangregler für Bässe und Höhen bereitstehen.

Dean Hillsboro Single & J  in der Praxis

Beide Testbässe wiegen ziemlich genau 3,9 kg, was für erwachsene Longscale-Viersaiter den guten Durchschnitt repräsentiert. Am Gurt hängen sie gut austariert, auch im Sitzen spielen sie sich entspannt. Die relativ schlanke Halsform mit dem bewährten C-Profil liegt gut in der Hand und überanstrengt auch weniger trainierte Bass-Einsteiger nicht. In puncto Bespielbarkeit ist hier also alles im grünen Bereich. Und was das helle Halsholz und die Ölversiegelung angeht, ist ein wenig mehr Pflege angesagt als bei lackierten Oberflächen, wenn man Schmutzablagerungen vermeiden und die seidige Griffigkeit erhalten will.

Klanglich bescheren die beiden Varianten eine Überraschung. Damit ist nicht der bereits erwartete, kerngesunde und schwingfreudige Holzton gemeint, sondern die Elektro-Sounds. Vom Hillsboro J mit seinen beiden Singlecoils im Jazz-Bass-Format würde man nämlich eher ein Vintage-artiges Klangbild erwarten, vom Hillsboro Single mit seinem Humbucker nach MM-Vorbild hingegen den moderneren, in Brillanzen und Druckbass aufgepumpteren Sound. Aber die Ergebnisse fallen genau umgekehrt aus. Mächtig fett und Punch-betont gibt sich der Hillsboro J, zumindest, wenn beide Tonabnehmer gleichberechtigt am Überblender angewählt sind. Und der Humbucker im Hillsboro Single kommt eher mit feinen Mittennuancen und einem holzigeren Gesamtklang rüber, klingt also trotz aktiver Klangregelung typisch passiv. Wählt man beim J-Modell beispielsweise nur den Steg-Singlecoil an, kommt allerdings auch nasale Charakterkraft ins Spiel, was dann wieder eine typische J-Komponente wäre, wie man sie auch von einem solchen Pickup erwartet hätte. Doch im Ganzen bleibt es dabei: Wer eher einen modernen, etwas aufgepowerten Sound mit sattem Punch sucht, ist beim Hillsboro J an der richtigen Adresse, wo der Hillsboro Single eher die feinmittigen Nuancen eines typischen Passiv-Sounds bietet.

Natürlich ist bei beiden Modellen ja noch die aktive Zweiband-Klangregelung vorhanden, mit der sich die Ergebnisse variieren lassen. Allerdings greift der Höhenregler nur die obersten Brillanzspitzen auf, sodass man ihn sorglos voll aufdrehen oder ganz zudrehen kann, ohne dass zu extreme Variationen wahrnehmbar sind. Und im Bass arbeitet der EQ vor allem saftigen Punch heraus, der interessanterweise bei den J-Singlecoils erheblich pfundiger zur Wirkung kommt als beim Humbucker des Single-Modells, wo eher das tiefe Mittenknurren verstärkt wird. Auch wenn es extremer wirkende Aktiv-EQs gibt, kann man den vorhandenen Klangreglern einen guten Praxiswert zusprechen, der eben in den feineren Nuancen liegt.

Resümee

Mit den beiden Hillsboro-Varianten liefert Dean tadellose Einsteigerbässe mit attraktivem Preis und hohem Gebrauchswert. Im allgemeinen Einerlei der Billig-Kopien ist die poppige Hillsboro-Form eine willkommene Abwechselung, zumal die Instrumente komfortabel spielbar und gut ausbalanciert sind. Klanglich ist es eine Überraschung, dass die mit J-Singlecoils bestückte Version den dichteren und pfundigeren Sound abliefert, während der Hillsboro Single mit seinem Humbucker eher die feinen Mittennuancen in typischer Vintage-Manier rüberbringt.

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