GELIEBTER PAPPENHEIMER

Danelectro ‘59DC Long Scale Bass im Test

Was einst als billiges Kaufhaus-Instrument das Musizieren für kleines Geld ermöglichen sollte, ist wegen der schönen, klaren Designs zum Kult geworden – schon vor mehr als 30 Jahren waren die Danelectro- und Silvertone-Originale gesuchte Sammlerstücke mit eigenwilligem Sound.

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(Bild: Dieter Stork)

Diverse Reissues gab es immer wieder von diesen Stil-Puristen, und der Double-Cut-Testbass ist nun die Neuauflage einer Neuauflage, die Ende der 1990er-Jahre aus Korea kam, während die originale Formvorlage von 1959 stammt. Strenggenommen kam das Shorthorn-Modell 3412 übrigens schon Ende 1958 heraus und war, nach einem sechssaitigen Singlecut-Vorläufer mit Bariton-Besaitung, Danelectros erster viersaitiger Bass.

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Tradition plus

Die betont schlichte Bauweise der Hohlkörper mit Decke und Boden aus Masonite-Holzfaserplatte ist legendär, natürlich muss sich der neue Bass an diese – auch klanglich entscheidende – Vorgabe halten. Der hölzerne Zargenrahmen ist mit strukturiertem Vinyl beklebt, unter dem Steg ist ein Holzblock zur Stabilisierung eingebaut.

Die einst primitive Stegplatte wies nur minimale Justiermöglichkeiten auf, eine generelle Höheneinstellung durch drei Schrauben und immerhin eine verschiebbare Saitenauflage aus Palisander. Beim modernen, massiver gebauten Steg sind nun separate Saitenreiter vorhanden, sodass jede Saite einzeln in Höhe und Oktavreinheit justiert werden kann.

Wie kommt man an die Klemmschrauben der Saitenreiter ran?
Wie kommt man an die Klemmschrauben der Saitenreiter ran? (Bild: Dieter Stork)

Das ist natürlich keine schlechte Idee, zumal die neuen Details in der Gesamtoptik kaum auffallen; allerdings sitzen die Klemmschrauben für die Saitenreiter exakt unter den Saiten, was unnötige Schwierigkeiten beim Einstellen beschert. Eine weitere Modernisierung ist die lange Mensur, denn die uralte Shorthorn-Vorlage für den ‘59DC war ein Shortscale.

Damals hatte er nur einen Tonabnehmer, das aktuelle Modell besitzt einen zweiten Lipstick-Pickup in der Stegposition. Bei den verwendeten Singlecoils handelt es sich um hochohmige Versionen mit mehr Ausgangspegel, was ja gut zur strammeren Langmensur passt. Zur schnellen Pickup-Wahl steht ein Toggle Switch bereit, jeder Tonabnehmer besitzt ein konzentrisches Doppelpoti für Volumen und Tonblende.

Kultige Doppelregler für jeden Tonabnehmer
Kultige Doppelregler für jeden Tonabnehmer (Bild: Dieter Stork)

masonite

…besteht aus gepressten Holzfasern, die nach einem dampfdruckgesteuerten Explosions-Verfahren hergestellt werden, welches in den 1920er-Jahren von William H. Mason entwickelt wurde. Durch relativ lange Holzfasern weisen die Masonite-Platten gegenüber anderen Hartfasermaterialien eine hohe Stabilität auf, obwohl sie ohne Klebstoffe hergestellt werden. Ursprünglich waren die Faserplatten für alle möglichen Anwendungen (z. B. im Möbelbau) beliebt, noch heute werden daraus Türen hergestellt, sodass das Originalmaterial nach wie vor für Instrumente verfügbar ist.


Seriöses Eigenleben

Eigentlich müsste man von der Kombination Shorthorn-Body mit Longscale-Hals eine ziemliche Kopflastigkeit erwarten. Die bleibt aber vollkommen aus, wohl weil der zweite Gurthalter günstig am Hals/Korpus-Übergang sitzt und das Instrument nur 3 kg wiegt. Zusammen mit dem schlanken Halsprofil ergibt das eine tadellos leichte Bespielbarkeit.

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(Bild: Dieter Stork)

Und da der modernisierte Longscale einen Halsspannstab besitzt, lässt sich auch die Halskrümmung optimal justieren. Absolut kultig ist der akustische Zigarrenkisten-Klang des Hohlinstruments, der so resonant auf die Saiten zurückwirkt, dass er auch im Elektroton deutlich rüberkommt. Die brettigen Hohlnuancen sind im drahtpräsenten Roundwound-Ton nicht zu überhören, das klingt nach Beat und Sixties, auch nach dem anrührend intimen Blues des armen Mannes.

Nun greifen dem Kult-Sound auch einige Modernisierungen stützend unter die Arme, denn die Longscale-Mensur stärkt zugleich Souveränität und Differenzierung, macht den Ton seriöser. Und die aufgepowerten Lipsticks geben dem klaren Singlecoil-Sound ein solides, tiefes Bassfundament. Kein Problem also, das alte Kultgerät auch mit aktuellen Aufgabenstellungen zu konfrontieren: Der Shorthorn-Longscale ist ein williger Player mit breitbandiger Praxiskompetenz.

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(Bild: Dieter Stork)

Alternativen

Wer linkshändig spielt, ist auf den Longhorn-Bass von Danelectro angewiesen, denn das ‘59DC-Modell gibt es derzeit nicht als Leftie. Mit aufgepeppter Danelectro-Stilistik arbeitet Jerry Jones in einem höheren Preissegment, hat aber kein Shorthorn-Modell im Programm. Gleichwertige Alternativen zum Testbass sind als Neuware nicht zu entdecken, wenn es um die Kult-Optik und den speziellen Sound geht.

Resümee

Dieser aufgebrezelte Danelectro-Klassiker hat gehörige Praxis-Qualitäten und trotz gestärkten Bassfundaments und differenzierter Tonbildung kommt ihm nicht der kultige Eigenklang abhanden. Hohlbrettiges Akustiktimbre prägt den Charakter, der sich nun mit gestärkten Grundwerten umso besser in den Band-Sound integrieren lässt. Der ‘59DC ist nicht nur gut für Vintage-Sounds!

Plus

• kultiger Eigenklang

• Spielbarkeit

• Design

• Verarbeitung

Minus

• Platzierung der Steg-Klemmschrauben

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