Die Bass-Extremisten

Cort Curbow 42 & 52 im Test

Vier- und fünfsaitige Bässe von Cort, schwarz, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

Bass-Designs von Greg Curbow sind extrem. Weil auch die höchste Lage auf dem Griffbrett ungehindert spielbar und der Bass dennoch ausgewogen am Gurt hängen soll, zeigt der Korpus extreme Unsymmetrie. Zudem geben sich seine Entwürfe besonders kompakt.

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Greg Curbow, (1957 – 2005), geboren in Atlanta, Georgia, war einer der angesehensten Designer und Hersteller von handgebauten Custom E-Bässen.

 

Das lange Korpushorn und das extratiefe Cutaway sind typische Curbow-Markenzeichen. Und wenn man einen solchen Bass neben einen normalen Longscale stellt, sieht er übrigens aus wie ein Shortscale. Ist er aber nicht, mit seiner erwachsenen 864-mm-Mensur. Gebaut werden die vier- und fünfsaitigen Cort-Curbows mit ein oder zwei Pickups – wobei wohl nur die mit den zwei Tonabnehmern bei uns regulär angeboten werden sollen: Wenn schon, denn schon.

 

 

Konstruktion von Cort Curbow 42 und 52

Während das Vorgängermodell einen Korpus aus Luthite-Kunststoff besaß, schwenkt Cort nun auf Holz um, was bei den allermeisten Bassisten wohl mehr Akzeptanz als Kunststoff finden wird. Für einen präzise und direkt ansprechenden, aber dennoch nicht zu schroffen Basston kommt beim Korpus nun Soft Maple zum Einsatz. Der fünffach aufgeschraubte Hals besteht ebenfalls aus Ahorn, allerdings aus einer extraharten Sorte. Die stehenden Jahresringe und die dreistreifig verleimte Bauweise sorgen hier für eine moderne, harte Klangausrichtung. Im Palisandergriffbrett sitzen 24 Bundstäbchen im Medium-Jumbo-Format. Die Bodies sind beim viersaitigen Curbow 42 und der Fünfsaiter-Version 52 hochglänzend lackiert, die naturhölzernen Halsrückseiten besitzen ein hauchdünne Versiegelung, welche sich mit verschwitzen Händen nicht so speckig anfühlt wie polierter Lack. Insgesamt zeigen die in Indonesien gefertigten Instrumente eine makellos saubere Verarbeitung und strahlen Wertigkeit aus.

 

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Durch die Schrägstellung des Stegs wird der Saitendruck auf die Reiter erhöht. (Bild: Dieter Stork)

 

Dieser Eindruck setzt sich bei der Ausstattung fort. Extrafette und schwere Stege hat man den Curbows verpasst, was nicht ohne Wirkung auf Tonansprache und Sustain-Entwicklung bleiben wird. Diese Metallklötze sind zudem schräg in die Korpusoberfläche eingelassen, was die Ballend-Halterung gegenüber den Saitenreitern zusätzlich absenkt und mehr Saitendruck auf die Reiter erzeugt, die dadurch ohne Klemmarretierung auskommen und dennoch auch bei härtesten Beanspruchungen nicht klappern. Ein kleiner Nachteil der gekippten Stege liegt darin, dass nach extremeren Oktavjustierungen (d. h. Verschiebung in der Längsrichtung) auch die Saitenhöhe nachgestellt werden muss. Da solche Einstellungen aber lediglich nach dem Wechsel der Saitenmarke fällig werden können, lässt sich damit leben. Mit matten Platinum-Oberflächen sehen die Metallteile an den Curbows elegant aus, insbesondere die gekapselten Tuner mit den mattschwarzen Kunststoff-Drehflügeln wirken wie noble Designer-Stücke (und reduzieren zugleich das Gewicht, welches an der Kopfplatte zieht).

Markenware von Bartolini kommt bei der elektrischen Ausstattung zum Einsatz. Zwei Soapbar-Humbucker der Mk.1-Serie sind per Überblender mischbar ein Master-Volume-Regler ist für den Pegel zuständig. An einem Kippschalter (der manchmal knackt, manchmal geräuschfrei umschaltet) lässt sich der dreibandige Bartolini-Equalizer zuschalten, dessen Stromquelle (1x 9 Volt) in einem Klappfach in der Korpusrückseite lagert. Wiederum elegant sehen die versenkt in der Korpusdecke sitzenden Potiknöpfe aus, bei den Klangreglern und dem Überblender sorgt eine deutlich fühlbare Mittelrastung zusätzlich zur schwarz kontrastierenden Potiknopf-Befestigungsschraube für einwandfreie Orientierung.

 

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Elegant ins Korpusholz versenkte Potiknöpfe (Bild: Dieter Stork)

 

Cort Curbow 42 und 52 in der Praxis

Durch das extrem tiefe Cutaway im stark unsymmetrischen Body ist ein Curbow-Hals bis zur höchsten Lage ungehindert spielbar. Und obwohl es sich bei unseren Testbässen um ausgewachsene Longscale-Modelle mit 864 mm Mensurlänge handelt, wirken beide Bässe angenehm handlich und kompakt. So kurz erscheinen sie vor allem deshalb, weil der Steg weitestmöglich an den Korpusrand gesetzt wurde. Dadurch rutscht der gesamte Spielbereich nach rechts, die tiefsten Lagen kommen näher, das Instrument wird tatsächlich kürzer und wendiger. Soweit die klaren Vorteile. Ungewohnt ist dabei, dass man die höchsten Lagen direkt vor dem Bauch hat, doch daran kann man sich schnell gewöhnen, sofern nicht übermäßiger Leibesumfang den Spielfluss behindert. Zur entspannten Bespielbarkeit trägt auch das flach geformte Halsprofil bei. Durch das lange obere Korpushorn hängen sowohl Vier- als auch Fünfsaiter stabil ausbalanciert am Gurt, eine Überraschung ist besonders beim Fivestring das angenehm geringe Gewicht – er bringt ebenso wie der Viersaiter nur 3,7 kg auf die Waage.

Die neue Curbow-Serie mit den hölzernen Bodies gibt sich klanglich keineswegs konventionell, vielmehr fällt zum einen das überragende Sustain in allen Lagen auf, zum anderen die explizite Brillanz und Direktheit des Tons. Beinahe kommen 42 und 52 damit sogar an die Klangeigenschaften eines Graphit-Instruments heran, doch sorgt die hölzerne Basis auch dafür, dass solche Eigenschaften nicht zu kühl und seelenlos rüberkommen. Zweifellos sind die präzisen, hochgezüchteten Klangleistungen für Holzbässe bemerkenswert.

Schon ohne zusätzliche Klangregler-Bearbeitung übertragen die Bartolini-Humbucker den Curbow-Sound mit machtvoller Breitbandigkeit, und den klaren, präzisen Brillanzen steht ein fülliges, druckvolles Bassfundament gegenüber. Ausgesprochen farbenreich fallen auch die Einstellungen am Überblendregler aus, wo der Steg-Pickup durch markant knödelnde Mittenintensität punktet, während aus der Halsposition ein sauberer Huge Sound erklingt. Eindrucksvoll sauber und aufgeräumt kommt dabei die Mittelposition rüber, wo die Mitten-Auslöschungen einen betont tighten HiFi-Klang erzeugen.

Per Kippschalter lässt sich die am Dreiband-EQ eingestellte Klangalternative flink abrufen, wobei die Klangregelung durch wohldosierte Wirksamkeit überzeugt und dennoch in der Auswahl der Frequenzbereiche recht speziell ausfällt. Die Bässe werden ungemein wuchtig und satt aufgepumpt, sodass man den cleanen Curbow-Modellen auch donnernde Rockpower entlocken kann. Zur rockigen Linie passt, dass auch der Höhenregler ziemlich tief eingreift und eher Edge und Attack-Präsenzen statt feiner Brillanzen (die ja von vornherein schon da sind) nach vorne rückt. Bei extrem spitzen Einstellungen (die man wiederum kaum benötigen wird) neigt der Bartolini-EQ zu hörbarem Rauschen. Der Mittenregler ist schließlich auf aggressive Nasalfrequenzen abgestimmt, was im Anhebungs-Bereich markige Durchsetzungskraft beschert und bei Abdämpfungen exakt die richtigen Mitten für cleane Funk-Sounds herausnimmt. Hat man sich mit den klanglichen Spezialitäten der hölzernen Curbows einmal vertraut gemacht, erweisen sich diese angenehmen Player als ausgesprochen klangflexibel, wobei die größten Stärken zwischen HiFi-klaren Funk- und Fusion-Einstellungen und markanten Rocksounds liegen.

 

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Der abgeflachte Hals/Korpus-Übergang erleichtert den Zugriff auf höchste Lagen. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Diese Bässe loten Extreme aus, auch wenn die neue Ausstattung mit hölzernen Bodies eher darauf abzielt, eine größere Akzeptanz in weiteren Bassistenkreisen zu erzielen. Doch auch mit Soft Maple als Korpusmaterial überraschen die Curbow-Modelle mit einer weit überdurchschnittlichen Sustain-Entwicklung und ihrem direkt ansprechenden Brillanzton. Wem das immer noch zu funky und HiFi-lastig ist, der bekommt mit der charakterstark zupackenden Dreiband-Klangregelung passende Einstellmittel für markante Rocksounds geboten. Alles in allem sind die Curbow-Modelle 42 und 52 ausgesprochen angenehme und leichtgängige Player mit großer Klangvariabilität und wertiger Ausführung.

 

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Plus

  • Klangverhalten, Sustain, Brillanz
  • Sound-Variabilität, Klangregelung
  • Ausstattung
  • Bespielbarkeit, Kompaktheit
  • Verarbeitung

 

Minus

  • EQ-Schalter knackt gelegentlich
  • Nach Oktav-Justierung am Steg muss Saitenhöhe nachgestellt werden

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