Headless mit Köpfchen

Claas Guitars Leviathan B4 Custom Shop im Test

Der Leviathan ist ein Seeungeheuer, und ganz geheuer kann einem auch dieser Headless nicht sein. Denn viele Dinge daran sind ziemlich unkonventionell. Und so zierlich, wie sich diese rundum abgespeckte Bassgitarre äußerlich gibt, ist ihr Ton keineswegs.

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(Bild: Dieter Stork)

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Singlecut-Designs sind derzeit ein Mode-Phänomen, kopflose Bässe eher ein Spezialgebiet. Passiv klingt nach Vintage, aber die verwendeten Tonabnehmer sind ziemlich das Gegenteil. Und Schraubhals nach einfacher Fertigung, doch die hier gewählte Lösung ist eher aufwendig. Alexander Claas bringt solche Widersprü- che elegant zusammen und schafft daraus eine eigene Identität.

Konstruktion

Man kennt Singlecut-Bässe meist nur mit durchgehendem Hals. Logo, denn der Trick liegt ja gerade darin, den Hals durch den einseitig anliegenden Korpus über eine möglichst lange Strecke abzustützen und zu versteifen. Schraubhals-Lösungen sind in diesem Genre äußerst selten, und der Leviathan besitzt einen 10fach schraubfixierten Hals. Erfunden hat Alexander Claas das nicht (siehe Eyb SC4 in Ausgabe 11/2009), aber außergewöhnlich bleibt seine Konstruktion dennoch, zumal sie ja auch noch das Headless-Prinzip einbezieht.

Bei so viel Exotik ist es schon fast normal, dass der kompakte Singlecut-Headless eine Spezial-Mattlackierung mit im Dunkeln grün nachleuchtenden Striemen besitzt, unheimlich, wie es sich für ein Ungeheuer gehört. Für den Korpus nimmt Claas Mahagoni, der aufwendig fixierte Hals ist fünfstreifig aus 3× Wenge und 2× Ahorn gebaut. Im Ebenholzgriffbrett sitzen 24 harte Edelstahl-Bünde und ein Nullbund, der die Longscale-Mensur zum Headless-Saitenhalter hin abschließt, wo die Saitenenden mit Inbusschrauben festgeklemmt werden. Von hier aus ist auch der Halsspannstab bequem justierbar. Auf dem Korpus sitzen vier Monorail-Einzelstege mit integrierten Tunern, die Saitenlagen sind dreidimensional justierbar.

Der Testbass arbeitet elektrisch rein passiv, was in Anbetracht der modernen Optik verwirrend nach Retro klingt. Ist es aber keineswegs, denn hier kommen zwei innovative Aluma-J-Singlecoils von Lace zum Einsatz. Man sieht zwei durchgehende Barrenmagnete, eingeklemmt zwischen schmalen Alu-Streben – das ist schon der Pickup! Die klassischen Wicklungen aus Kupferlackdraht fehlen, an ihrer Stelle stehen die Gehäusestreben. Diese bilden die extrem niederohmige Primär-„Wicklung“ eines Aufwärtsübertragers, der aus der abgefahrenen Lace-Konstruktion einen normalen Ausgangspegel hervorzaubert. Dieser „Singlecoil“ ist so niederohmig, dass er unempfindlich gegenüber Brumm-Einstreuungen ist und still wie ein Humbucker arbeitet.

Offenbar braucht man keine zusätzlichen Spielereien für überzeugende Klangergebnisse, jedenfalls ist das Instrument nur mit einem Pickup-Überblender und einem Volume-Regler ausgestattet. Das Elektrofach ist freilich so bemessen, dass nachträgliche Aufrüstung problemlos möglich sein wird.

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Der zehnfach fixierte Hals wird bis zur 11. Lage vom Korpus abgestützt. (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Versenkt im Holz sitzen die arretierbaren Gurthalter nach dem Dunlop-Prinzip – die „unsichtbaren“ Halterungen sehen gut aus, wer allerdings seinen Gurt mit den Gegenstücken vergessen hat, muss im Sitzen spielen. Am Gurt hängt der Headless natürlich perfekt ausbalanciert, ohne jeden Anflug von Kopflastigkeit, stabil und angenehm mit nur 3,6 kg in Optimalhaltung. Die tiefen Lagen wirken ungewöhnlich nah, die hohen Lagen ungehindert erreichbar. Das endet allerdings beim 22. Bund, denn für die letzten beiden muss man sich strecken, sonst hätte das Cutaway tiefer ausgeschnitten sich hier nichts variieren, doch erstaunlicherweise gibt man sich gerne damit zufrieden. Weil der versteifte Wenge/ Ahorn/Mahagoni-Headless durch die Aluma-Pickups einen derart stimmigen Ton herausgibt, kommt man erst gar nicht auf die Idee, nach Klangreglern zu suchen – der Leviathan zieht den Spieler in seinen Bann, und dann ist erst mal nur Grooven angesagt.

Während der Bass rein akustisch eher ein hartes, sehr direkt ansprechendes Sportgerät ist, kommt er im Elektroton mit drückendem Punch, knurrig warmen Mitten und harmonisch ausgewogenen Brillanzen rüber. Da fällt keinerlei Änderungsbedarf auf, zumal die Timbre-Nuancen am PU-Überblender ja bereits ein praxisgerechtes Spektrum vom knödelnden Jaco bis zum fülligen Begleitklang bieten. Und wer dann doch noch andere Sounds benötigt, kann den Leviathan ja mit einer Aktivelektronik seiner Wahl bestellen.

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Bei den Lace Aluma-Pickups ersetzt das Gehäuse die Wicklungen. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Dieser Schraubhals-Singlecut-Headless ist an sich schon eine ziemlich abgefahrene Konstruktion, die dann auch noch auf die innovativsten Tonabnehmer unserer Zeit setzt und im passend unheimlichen Glowin-the-Dark-Finish rüberkommt. Mit extrem leichter Spielbarkeit und perfekter Balance feuert der Leichtlauf-Viersaiter den Spieltrieb an und liefert mit den Aluma-Pickups so stimmige Ergebnisse, dass man auf viele Knöpfchen getrost verzichten kann. Keine Frage, mit dem Claas hat man Spaß!

 

Plus

  • Klangverhalten
  • leichte Spielbarkeit, Balance, Komfort
  • Konstruktion, Design
  • Hardware, Tonabnehmer

Minus

  • unpraktisch beim Abstellen

 

Claas Guitars Leviathan B4_profil

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