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Boerjes Groover 4 Deluxe Homegrown im Test

Der erweitere Artenschutz für etliche Tropenhölzer kann Ralf Börjes nicht schrecken. Er zeigt mit seinem Homegrown-Modell, dass man auch mit heimischem Material in die Spitzenklasse kommen kann.

FOTO: Dieter Stork

Die zeigt sich schon beim Aussehen, da hat sein Groover einige Hingucker zu bieten. Doch was hier exotisch wirkt, kommt quasi aus dem eigenen Garten, dafür wird kein Zentimeter Regenwald abgeholzt. Weil der Boerjes auch klanglich seiner vielversprechenden Optik folgt, kann das Plädoyer für die Qualitäten heimischer Hölzer kaum überzeugender ausfallen.

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Warum in die Ferne schweifen

Für eine gesunde Basis kann man sowieso auf Exoten verzichten, die Erle für den zweiteiligen Body und der harte Felsahorn für den Hals kommen von hier. Knackige Härte bringen bei der fünfstreifigen Halskonstruktion zusätzlich die Obsthölzer ins Spiel: Zwei schmalere Halsstreifen bestehen aus Pflaumenbaum, das schön geflammte Griffbrett aus Birnbaum. Letzterer taucht bei den schönen hölzernen Pickup-Kappen nochmals auf. Wie gemalt präsentiert sich die Korpusdecke aus gestockter Buche. Buchenholz ist eigentlich nicht sonderlich auffällig gemasert, aber es hat sich ein Pilz darüber hergemacht und für Verfärbungen gesorgt, die teilweise als schwarze Linien scharf wie mit der Tuschefeder gezogen sind. Spalted Maple kennt man ja von einigen Edelbässen, hier kommt eben Spalted Beech für die Nobeloptik zum Einsatz und verstärkt nochmals den Einsatz harter Holzarten.

FOTO: Dieter Stork
Ausgesucht schöne Hölzer aus heimischen Beständen

„Regional“ gilt nicht nur für die Hölzer, auch die Ausstattung kommt aus deutschen Landen. Unter den Birnbaum-Kappen stecken Custom Humbucker von Harry Häussel, der dreidimensional justierbare Steg wird von ETS beigesteuert, die gekapselten M4-Tuner und die Security Locks von Schaller. Börjes selbst fertigt den dreibandigen Basstronic-EQ, und für zusätzliche Klangvariabilität sorgen zwei dreistufige Kippschalter, mit denen sich jeweils drei verschiedene Sounds aus den Häussel-Humbuckern herausholen lassen. Auch in den technischen Ausstattungsdetails steckt umweltschonendes Potential, beispielsweise indem man lange Lieferwege rund um den Globus vermeidet und die Teile in einem Land mit hohen Umweltschutz-Auflagen fertigen lässt.

Wenn das Gute liegt so nah

Hier geht es also um das reine Gewissen, aber natürlich nicht nur, denn der Homegrown- Bass soll schließlich in erster Line ein hervorragendes Instrument sein. Mit 3,5 kg ist der elegante Grover 4 angenehm leicht und hängt perfekt ausbalanciert am Gurt, wofür am Korpusrund zwei verschiedene Aufhängungspunkte zur Wahl stehen. Das mittelstarke Halsprofil liegt angenehm in der Hand, die Saiten greifen sich butterweich und ausbleibendes Bundschnarren zeugt von perfekter Abrichtung der 24 Medium Jumbo Frets. Soweit präsentiert sich der Boerjes als äußerst angenehmer Player, nur die Messing- Markierungen der Griffbrettflanke sind im hellen Birnbaum nicht immer gut erkennbar; simple schwarze Dots würden einen besseren Kontrast bieten.

FOTO: Dieter Stork
Fünf Halsstreifen, fünf Befestigungsschrauben, gerundeter Übergang

So leicht und unangestrengt sich der Groover spielt, so schwingfreudig und entgegenkommend gibt er sich in der Tonbildung. Die harten Obsthölzer sichern extrem schnelle Tonansprache und kristallklare Brillanz, zugleich erweist sich die Balance zu den weicheren Erle-Anteilen gut abgewogen, sodass der Bass ein echtes Schwingwunder ist. Mit vollem Ton, aber eben auch besonders präzise artikuliert (und fast schon nebenbei auffällig ausgewogen über das ganze Griffbrett). Schon rein akustisch ist das Spitzenklasse!

Die Häussel-Humbucker übertragen den strammen Klang je nach Einstellung betont sachlich oder wirkungsvoll angefettet; die Unterschiede zwischen Parallel- und Singlecoil-Schaltung erscheinen hingegen deutlich geringer, aber besonders im Passiv-Modus (mit gezogenem Höhenknopf) möchte man die feinen Timbre- Varianten dann doch nicht missen. Aktiv kann man hingegen von zwei wirklich unterschiedlichen Grundcharakteren hoher Güte ausgehen. Mit der Dreiband- Basstronic hat man zudem drückende Bassreserven in der Hand, der Mittenregler vermittelt eher weich und harmonisierend zwischen dem kraftvollen Bass und den extrapräzisen Höhen. Der eigentliche Höhenregler ist ziemlich tief abgestimmt und wirkt unterhalb des Birnbaum-Klicks, sodass Anhebungen den Klang nicht unbedingt kühlermachen, sondern markanter. Eigene Linie zeigt der Boerjes somit in jeder Hinsicht, und die geht auch bei der enormen Variations-Vielfalt nicht verloren.

FOTO: Dieter Stork
Matched Headstock in gestockter Buche

Obsthölzer

Zu den heimischen Obsthölzern zählen Apfelbaum, Birnbaum, Zwetschge, Kirsch- und Nussbaum, sogar die Olive. Apfel, Birne, Pflaume und Olive liefern ein sehr feinporiges, zähes und hartes Holz von hoher Festigkeit. Als Klanghölzer bislang selten verwendet, fördern sie präzise Tonansprache, klare Präsenzen und Obertöne. Kirsche ist da luftiger und klanglich eher mit weichem Ahorn vergleichbar, der dunkle Nussbaum in europäischer Qualität ist oft sehr attraktiv und für ein dunkles, warmes Klangtimbre gut.


Resümee

Bei allen Meriten, die sich die attraktive Holzkonstruktion optisch, im Spielgefühl und beim guten Umweltgewissen verdient, die größte Bewährungsprobe der heimischen Zusammenstellung ist das Klangverhalten – und der Homegrown- Groover meistert sie mit Bravour. Ralf Börjes hat nicht einfach nur einen Spitzenbass konsequent aus heimischen Zutaten gebaut, sondern das hohe Niveau um ein besonderes Plus an straffer Präzision bereichert. Dieser Bass gehört in flinke Hände und verspricht im Studio wie auf der Bühne Meisterleistungen.

Plus

  • Präzision und Schwingfreude
  • Sound-Variabilität
  • leichte Spielbarkeit, Balance
  • Verarbeitung, Hölzer
  • Ausstattung

Minus

  • Sichtbarkeit der Lagenmarkierungen in der Griffbrettflanke

Aus Gitarre & Bass 03/2017

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