Alles, was den künftigen Bestseller ausmacht

Ampeg PF-800 im Test

Bass-Vollverstärker, Topteil, von Ampeg, schwarz-silber
(Bild: Dieter Stork)

 

Portabel und flexibel, das waren die Portaflex-Amps von Ampeg schon immer. Aber sie waren noch nie so stark wie heute, wo das kompakte Spitzenmodell saftige 800 Watt Ausgangsleistung abliefert.

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Die moderne Portaflex-Familie besteht nun aus vier verschiedenen Boxen und drei Topteilen mit unterschiedlicher Leistung: 350, 500 und 800 Watt bieten die modernen Class-D-Tops an.

In den Abmessungen hat sich das Spitzenmodell nun von der Butterbrotdose entfernt, auch wenn man immer noch von einer sehr kompakten Bauweise sprechen kann. Statt total Mini setzt Ampeg auf ein mittleres Format, wo ausreichend Platz für gute Erreichbarkeit der Bedienelemente vorhanden ist.

Auch die Retro-Komponente im Gehäuse-Design kommt gut rüber.

 

Ausstattung des Ampeg PF-800

In der allgemeinen Ausstattung entspricht der PF-800 dem 500er Modell, ist für leistungshungrige Bassisten aber mit einer noch stärkeren Class-D-Endstufe ausgestattet und besitzt ein etwas größeres Gehäuse aus stabilem Stahlblech.

Der Klinkeneingang ist in der Empfindlichkeit umschaltbar und kann in der -15dB-Einstellung auch extrem pegelstarke Eingangssignale sauber verarbeiten. Eine Peak-LED hilft bei der korrekten Aussteuerung, die Mute-Taste zum Stummschalten des Amps sitzt direkt im Eingangsbereich. Dort ist neben dem Gain-Regler auch die Kompressor-wirkung bis zu einer Ratio von 10:1 dosierbar.

Die Klangregelung ist zwar nur dreibandig, erfasst aber dennoch viele verschiedene Charaktere, weil der Mittenbereich mit einem fünfstufigen Frequenz-Umschalter versehen ist, mit dem das Wirkungszentrum in weiten Bereichen zwischen 220 Hz und 3 kHz variiert werden kann. Zudem arbeitet der Midrange-Regler in praxisgerechter Weise unsymmetrisch: Anhebungen sind bis 10 dB möglich, während die Dämpfungen erheblich radikaler bis -20 dB einstellbar sind. Auch beim Höhenregler wird der Kunstgriff angewendet, sodass kräftige Anhebungen bis 15 dB möglich sind, aber noch stärkere Höhendämpfungen bis 20 dB. Die Bässe werden hingegen symmetrisch eingestellt, deren Maximaleinstellungen aber auf +/-12 dB begrenzt. Zusätzlich stehen die schaltbaren Presets Ultra Hi und Ultra Lo zur Verfügung, wobei Letzteres nicht nur tiefe Bässe sanft hervorhebt, sondern auch zugleich die Nasalmitten deutlich abdämpft.

Auf die Klangregelung folgt der Effekt-Einschleifweg, der es erlaubt, den reinen Effektanteil parallel dem Clean-Signal am Mix-Regler beizumischen. Von erheblichem Praxiswert ist zudem noch, dass der Effektweg per Fußschalter fernbedient werden kann. Die FS-Stereoklinke ist für einen Doppelfußschalter ausgelegt, der den Parallel-Effektweg sowie das Mute-Feature verwaltet. Hinter dem (Master-)Volume-Regler steht mit den Buchsen Pre Amp Out und Power Amp In übrigens noch ein zweiter, serieller Einschleifweg bereit, der für Effekte vorgesehen ist, die nur auf die Lautsprecherwiedergabe wirken sollen, aber nicht im symmetrischen Line Out berücksichtigt werden. Der symmetrische Ausgang ist wahlweise vor oder hinter Compression, EQ und Parallel-Effektweg umschaltbar, lässt sich von Line auf Mikrofonpegel umschalten (0/-40 dB) und besitzt einen dritten Schalter zum Abtrennen der Schirmerdung. Des Weiteren ist das starke Kompakt-Topteil mit einem Klinkenanschluss fürs Stimmgerät versehen, mit Miniklinken sind zudem die Anschlüsse Audio In (für Playbacks) und Phones realisiert. Dass der Playback-Eingang nur auf die Kopfhörer-Wiedergabe wirkt, mag für den reinen Übungsbetrieb zu Hause sinnvoll sein; allerdings könnte es doch auch für Workshops nützlich sein, die Begleitung auf die Lautsprecher legen zu können. Außerdem soll es Leute geben, die gerne im Proberaum laut üben.

Für die Speaker stehen zwei Ausgänge bereit, einmal Klinke und einmal Speakon. An 4 Ohm vermag der Ampeg bei maßvollem Klirrfaktor (3%) 800 Watt abzugeben, bei einer Last von 8 Ohm halbiert sich die Ausgangsleistung. Wer mit seinem Portaflex international unterwegs ist, wird sich über den Umschalter für die Netzspannung freuen, der PF-800 kann mit 100 bis 240 Volt betrieben werden.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Der Ampeg PF-800 in der Praxis

Schönes Styling, kompakte und stabile Bauweise, gesunde Ausstattung – das Class-D-Spitzenmodell von Ampeg könnte glatt ein Bestseller werden. Nur beim Ablesen der Frontbeschriftung, die mit weißen Lettern auf silberfarbenen Untergrund gedruckt ist, können Blendeffekte stören.

Dass der PF-800 ganz gehörige Leistungsreserven besitzt und deshalb nur mit entsprechend belastbaren Lautsprechern kombiniert werden sollte, muss nicht extra erklärt werden. Einen gewissen Schutz für die Lautsprecher stellt hier die Halbierung der Ausgangsleistung an 8 Ohm dar, dennoch empfiehlt es sich, den Volume-Regler mit Respekt zu bedienen. Sorgfältig sollte man auch den Gain einstellen, um bei festen Anschlägen unerwünschte Übersteuerungen zu vermeiden – der sonst entstehende Zerr gehört nämlich nicht zu den Klangstärken des Ampeg-Tops. Umso wohler fühlt sich der Amp hingegen in den cleanen Bereichen, wo er den Basston differenziert und detailfein, aber zugleich auch rund und harmonisch präsentiert. Von kühler Nüchternheit, wie man sie mitunter Transistorschaltungen nachsagt, bemerkt man hier nichts, selbst bei präsenten Einstellungen bleibt der Portaflex-Klang geschmeidig und charmant.

Überhaupt zeigt sich die Klangregelung gut durchdacht und in ihrer Wirkung musikalisch abgestimmt. Insbesondere die fünf wählbaren Centerfrequenzen des spulenbestückten Midrange-Bands helfen dabei, sehr verschiedene Klangcharaktere zu formen, vom satten, grollenden Rockbass bis zum ultracleanen HiFi-Klang. Stark auch die besonderen Spezialitäten, von denen mein persönlicher Favorit der bullige SVT-Sound ist (Abdämpfung Midrange, Frequency Stellung 2).

Praxisnah ist auch der Kompressor mit der Einknopf-Bedienung ausgelegt; selbst bei höchstem Kompressionsverhältnis geht der Gesamtpegel kaum zurück, das Aggregat ist feinfühlig einstellbar und arbeitet ohne Verzerrungen, sodass vom dezenten, unhörbaren Limiting, über zusätzlichen Sustain-Schub für den Fretless, bis zur starken Effekt-Kompression mit funky Squash alles bereitsteht, was man von einem solchen Effekt erwartet.

Der eingebaute Lüfter arbeitet zwar permanent, aber relativ leise, sodass er zumindest im Proberaum nicht störend wahrgenommen wird.

 

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Die umfangreiche Elektronik ist vertrauenerweckend verarbeitet. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Das moderne Portaflex-Spitzenmodell überzeugt nicht nur durch extreme Leistungsreserven, der Amp ist auch klangstark gelungen. Zwar gehören angezerrte Sounds durch eine übersteuerte Vorstufe nicht zu seinen Stärken, doch glänzt er im Clean-Bereich durch die Verbindung von Detailfeinheit und charmanter Geschmeidigkeit, zumal auch die gesamte Klangregelung sorgsam austariert wurde und ausgesprochen musikalische Ergebnisse liefert. Ein weiteres Highlight mit hohem Praxiswert ist, neben dem eingebauten Kompressor, der fußschalt- und zumischbare Parallel-Einschleifweg für Effekte, und man findet bei diesem toll klingenden, starken, transportfreundlichen und hochwertig verarbeiteten Basstop keinen Grund, warum der Portaflex 800 kein Bestseller werden sollte.

 

Übersicht

Fabrikat: Ampeg

Modell: PF-800

Typ: Bass-Vollverstärker, Topteil

Herkunftsland: China

Technik: Transitor mit Class-D-Endstufe und Schaltnetzteil

Leistung: 800 Watt an 4 Ohm, 400 Watt an 8 Ohm

Gehäuse: Stahlblech

Gehäuseausstattung: Frontgriffe, Gummifüße

Anschlüsse: Klinke Input, Stereo-Miniklinke Audio In, Stereo-Miniklinke Phones, Klinke Tuner Out, Stereoklinke Ft. Switch, 2× Klinke FX Loop, Klinke Pre Amp Out, Klinke Power Amp In, symm. XLR Line Out, Klinke u. Speakon Speaker Outputs, Netzanschluss

Regler: Compression, Gain, Bass, Midrange, Treble, FX Mix, Volume

Schalter/Taster: Mute, -15 dB, Ultra Hi, Ultra Lo, pre/post EQ, 0/-40 dB, Ground Lift, Netzspannung, Power

Effekte: Compression

Einschleifweg: 1× mono parallel zumischbar, 1× mono seriell

Besonderheiten: Lüfterkühlung, LEDs f. Threshold, Peak-Mute, Fault, Power

Gewicht: 5,4 kg

Maße: 381 × 80 × 272 BHT/mm

Vertrieb: Mega Audio

55411 Bingen

www.ampeg.com

Zubehör: Netzkabel, Manual

Preis: ca. 772

 

Plus

  • Leistungsvermögen
  • geschmeidiger Cleansound
  • musikalisch abgestimmte Klangregelung
  • fußschaltbarer Parallel-Effektweg
  • Kompaktheit, Gewicht
  • Design

 

Minus

  • Audio In wirkt nur auf Kopfhörer
  • je nach Lichteinfall Frontbeschriftung schwer lesbar

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