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Ampeg PF-50T & PF-112HLF im Test

Der Name Ampeg ist ein Sound. Er ist über die Jahrzehnte schon vielfach eingefangen worden, im Studio gerne mit dem kleinen Portaflex, der im Mix einen absolut erwachsenen Basston erzeugt. Die zeitgemäß ausgerüstete Neuausgabe der kleinen Vollröhre kann sich hören lassen, neben dem kleinen 20-Watt-PF gibt es auch ein aufgebrezeltes 50-Watt-Top.

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Der PF-20T hat in Ausgabe 01/2016 schon Begeisterung ausgelöst, noch eine Schüppe drauf legt der größere Bruder. Und das sowohl in der Ausgangsleistung, wie auch in der Sound-Palette. Als schnuffig kompaktes Recording-Stack haben wir die ebenfalls neue 12″-Portaflex-Box hinzugenommen.

PF-50T

Unter der Gitterhaube hat der PF-50T drei Doppeltrioden und zwei 6L6-Endstufenröhren, gut für 50 Watt Ausgangsleistung bei wahrnehmbarem Crunch. Links und rechts davon sitzen Netztrafo und Ausgangsübertrager, das Ding ist modern gestylt und trotzdem klassisch. Gegenüber dem PF-20T hat der größere Bruder nicht nur mehr Power, sondern besitzt auch erweiterte Features. Zwei Klinkeneingänge unterschiedlicher Empfindlichkeit stehen bereit, zusätzlich zur Dreiband-Klangregelung gibt es noch zwei Preset-Tasten für Ultra Lo und Ultra Hi.

Auch der Mittenregler kann mehr als beim 20-Watt-Modell, denn hier hat man die Wahl zwischen 5 verschiedenen Center-Frequenzen. Getrennte Regler für Gain und Volume erlauben präzise Aussteuerung und Lautstärke-Einstellung, was besonders wichtig ist, wenn man mit fein angezerrten Sounds spielen will. Genauso wie das kleine Recording-As bietet auch die 50- Watt-Version zwei symmetrische Ausgänge für den Live- und Studio-Einsatz. Dabei lässt sich der Preamp Out wahlweise vor oder hinter die Klangregelung schalten und gibt, wie der Name ja sagt, das Signal der Röhrenvorstufe heraus.

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Dieter Stork

In der Post-EQ-Einstellung ist der Ausgangspegel leider auch abhängig von der Volume-Einstellung, man sollte also bei Veränderung der Bühnenlautstärke daran denken, dass auch eine eventuelle PA-Wiedergabe betroffen ist. Das ist auch beim Transformer Balanced Line Out der Fall, weil das Ausgangssignal hinter dem Ausgangsübertrager der Röhrenendstufe abgegriffen wird, um auch klangliche Feinheiten des Poweramps zu erfassen. Dieser hat übrigens ein modernes Arbeitspunkt-Management, welches auch einem Technik-Laien erlaubt, die Endstufe korrekt einzustellen: Eine grüne und rote Leuchtdiode zeigen an, ob der Arbeitspunkt im grünen Bereich liegt, oder am daneben liegenden Trimmpoti nachjustiert werden muss. Als Lautsprecheranschluss ist eine Klinkenbuchse vorhanden, die Ausgangsimpedanz ist zwischen 4 und 8 Ohm umschaltbar. Übrigens benötigt das Röhren-Top für stummes Aufnehmen im Studio keine Last am Ausgang, kann also schadlos auch ohne Box verwendet werden.

PF-112HLF

Die handliche PF-112HLF ist neu und erweitert die Reihe der Portaflex-Boxen um ein kompaktes 12″-Modell. Dass der kultige Trick mit dem Fliptop hier fallengelassen wurde, hat den Vorteil, dass man nun zwischen diversen Boxen wählen kann, es stehen 1×15″, 2×10″, 1×15″ mit Hochtöner und 4×10″ mit Hochtonhorn zur Auswahl. Am Namenszusatz HLF kann man ablesen, dass auch das neue 12″-Modell einen Tweeter besitzt. Dabei handelt es sich um ein großes Hochtonhorn mit dynamischem Treiber, welches per Schalter im Anschlussfeld auch deaktiviert werden kann.

Der 12″- Lautsprecher ist ein Eminence mit keramischem Magnet, der 200 Watt verarbeiten kann und in einem Bassreflexgehäuse arbeitet. Trotz kompakter Abmessungen ist die PF-112HLF bühnenfest solide aus 15 mm starkem Pappel-Sperrholz gebaut und außen mit schönem Black-Diamond-Tolex überzogen. Zum klassischen Outfit gehört auch die blausilberne Nylon-Frontbespannung, zur gewissenhaften Verarbeitung die Speaker-Befestigung mit Gewindemuffen im Gehäuse sowie sorgsame Rundung der Bassreflexöffnung und eine dicke Innenauskleidung mit Polyesterwatte. Zwei Klinkenbuchsen erlauben gegebenenfalls das Durchschleifen des Endstufensignals zu einer weiteren Box, die Impedanz beträgt 8 Ohm.

 

 

Praxis

Angelehnt an die historischen Vorbilder zeigt ein Leuchtstreifen unter dem Ampeg-Logo den Betriebszustand an; im Aufheizbetrieb leuchtet er rot und wechselt zu Violett, wenn der Standby-Schalter umge legt wird. Auch wenn beim Testgerät ein geringer Restbrumm im Grundgeräusch vorhanden ist, kann man das Vollröhren-Topteil als nebengeräuscharm und studiotauglich bezeichnen. Wer den satten Klang des historischen Originals kennt, kann vom authentischen Portaflex-Sound des neuen 50-Watt-Modells nur begeistert sein, und das umfasst auch den Zerrcharakter bei hoher Aussteuerung. Immerhin wird die volle Leistung von 50 Watt bei 20% Klirrfaktor angegeben!

Davon lässt sich der PF-50T aber im Normalbetrieb nichts anmerken und bringt zusammen mit der 12″-Box einen sauberen Basston bis in realistische Session-Pegel zustande. Durch die getrennten Regler für Gain und Volume lässt sich ein wenig Schmutz im Ton feinfühlig hinzudosieren. Limits in der Maximallautstärke werden in der Test-Kombination übrigens eher von der kleinen 12“-Box gesetzt, die allerdings auf der anderen Seite durch unglaublich fundierte Basswiedergabe überzeugt. Während das alte Portaflex-Original sich ziemlich auf einen runden Mainstream-Klang konzentrierte, hat der PF-50T deutlich mehr Varianten drauf. Dafür sorgt zum einen die nuancenfeine Mitten-Halbparametrik am Amp, zum anderen die Erweiterung des Frequenzumfangs durch das potente Hochtonhorn in der Box. Die fünf wählbaren Mittenfrequenzen erlauben es, charaktervolle Timbre-Varianten zu erkunden, bei aufgedrehtem Mittenpegel in feinen, praxisgerechten Nuancen, die jedoch bei zugedrehtem Mittenregler deutlich radikaler wirken.

Die Presets Ultra Hi und Ultra Lo sind in typischer Ampeg-Manier abgestimmt, wobei das Hi-Preset eine klassische Bright-Wirkung ergibt und der Ultra-Lo-Sound durch eine Mittenabsenkung erzeugt wird. Als Live-Anlage kann die Portaflex-Kombination kleine Bühnen mühelos mit fettem Charakterklang beschallen, bei größeren Anlässen ist natürlich Verstärkung über die PA-Anlage notwendig. Erweiterte Hinweise zur Benutzung der beiden symmetrischen Ausgänge wären im mitgelieferten Quick Start Guide allerdings hilfreich.

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Dieter Stork

Resümee

Schon der kleine PF-20T ergänzt den authentischen Portaflex-Klang um eine wirksame Mittenregelung, die beim 50- Watt-Modell sogar auf fünf verschiedene Mittenfrequenzen umgeschaltet werden kann. Diese Nuancen-Feinheit dürfte im Vergleich das Hauptargument für den PF- 50T sein, auch wenn sich die mehr als doppelt so starke Röhrenendstufe ebenfalls durch sattere Fundiertheit bemerkbar macht. Die kompakte PF-112HLF punktet dabei durch makellose Verarbeitung, tief fülligen Bass und filigrane Höhenwiedergabe, die man einer solchen Kleinbox kaum zutrauen würde. Dass eine 50-Watt-Bassanlage für größere Gelegenheiten auf zusätzliche PA-Verstärkung angewiesen ist, liegt auf der Hand und wird durch die beiden symmetrischen Ausgänge variantenreich unterstützt, was natürlich auch als Recording-Tool im Studio hervorragende Dienste leistet

Plus PF-50T

  • authentischer Portaflex-Sound
  • erweiterte Charakternuancen, Wirkung der Klangregler
  • zwei symmetrische Ausgänge
  • bedienerfreundliche BiasEinstellung, ImpedanzUmschaltung
  • Design, Verarbeitung, Konzept

Minus PF-50T

  • kein Tragegriff
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Plus PF-112HLF

  • solide Verarbeitung
  • sattes Bassfundament
  • hochwertiges Horn
  • klassische Optik, Ausstattung
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