Alles, was geht

Test: Fender American Elite Precision Bass & Jazz Bass

Große Klassiker erkennt man daran, dass man sie in jedem Fall wiedererkennt. Auch, wenn bei diesen American-Elite-Versionen praktisch alles hochfrisiert wurde, was geht.

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Modifikationen haben bei den genialen Bass-Basics von Leo Fender eine lange Tradition, einst von den Spielern selbst gebastelt, dann von etlichen Kopisten als Veredlung integriert. Seit geraumer Zeit hat Fender selbst die Variation seiner Bassmodelle in die Hand genommen, wobei die in Corona, Kalifornien gebauten Elites ihren Seriennamen zu Recht tragen.
Schauen wir also genauer hin, was diese Precision- und Jazz-Bass-Ausführungen so elitär macht.

scheinbar traditionell

Die Holz-Zusammenstellung repräsentiert hier scheinbar das Altbewährte, wo der aufgeschraubte Hals aus einem Stück Ahorn mit liegenden Jahresringen und der Korpus aus Erlenholz besteht. Auch beim Griffbrettmaterial besteht die traditionelle Auswahl – beide Modelle sind mit Ahorn oder Palisander zu haben, zusätzlich steht aber auch Ebenholz zur Wahl. Was man nicht sieht: Die modernen Hälse sind innen durch Graphitstäbe verstärkt; außerdem sorgt der Compound-Radius der Griffbrettoberfläche für angenehme Spielbarkeit bei günstiger Saitenlage. Und was man sieht, ist am korpusseitigen Halsende die einfach zugängliche Justierung des Halsspannstabs an einem gelochten Drehrad.

Schon seit Längerem sind die Fender-Bässe mit einem unauffälligen Niederhalter für die A-Saite ausgestattet, um auch hier die alte Problematik des Andrucks auf den Sattel auszuräumen. Neu wiederum die rückseitige Rundung an der Halsverschraubung, um leichteren Zugang bis zur höchsten Lage zu gewährleisten. Trotzdem ist eine Schraube dazugekommen, der Hals wird fünffach fixiert. Beide Modelle sind mit 21 Medium-Frets bestückt, das Griffbrett beim Jazz Bass im beliebten 70er-Stil eingefasst und mit Blockeinlagen aus Black Perloid versehen.

Auch die Dots im Precision-Griffbrett sind aus diesem Material. Neben den schönen Metallic Colors unserer Testexemplare sind auch Sunburst, Schwarz und Klarlack (mit markanter gemasertem Esche-Body) erhältlich. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Elite-Hälse statt in Hochglanz nun in seidig griffigem Matt lackiert sind.

auf heutigem stand

Die Vintage-Optik der Blechflügel bleibt gewahrt, die eigentliche Stimmmechanik ist bei den Elite-Brüdern jedoch extrasolide aus Guss gefertigt. Solidität auch am anderen Ende, wo der Hi-Mass-Vintage-Steg mit dickerer Grundplatte und nochmals massigerem Saitenhalter aufwartet, denn Masse hilft bekanntermaßen beim Klingen. Fester Halt auch: Alle Inbus-Standschrauben der einzelnen Saitenreiter greifen in Führungsnuten der Grundplatte; die Reiter selbst besitzen jeweils vier Einlegerillen, um die Saitenabstände variabel zu machen. Wer möchte, kann die Saiten bei beiden Bässen auch von hinten durch den Korpus einfädeln, um noch mehr Druck auf die Saitenreiter zu bringen.

Serienmäßig sind die Elite-Bässe mit Schaller Security Locks bestückt. Über viele Jahrzehnte haben wir uns daran gewöhnt, dass der normale J-Singlecoil außer dem Saitenton auch Brummstörungen aufnehmen kann, der charaktervollen Präsenz wegen wurde das toleriert. Um den originalen Biss zu erhalten und trotzdem auf das Brummen zu verzichten, besitzen die Noiseless-Pickups der vierten Generation zwei untereinander liegende Spulen mit Alnico-Stabmagneten und stählerner Schirmplatte in der Mitte. Da auch der Precision mit einem zusätzlichen Noiseless-J am Steg bestückt ist (der P-Splitcoil arbeitet ja seit jeher ohne Brumm), ist die nun durchweg nebengeräuschfreie Tonabnahme in allen Einstellungen für beide Modelle erwähnenswert.

Geradezu drastisch fällt die Modernisierung bei den vielen Knöpfen aus, Precision und Jazz Bass besitzen jeweils sechs Einsteller für den Elektroklang! Beide haben einen dreibandigen Aktiv-Equalizer an Bord, per Kippschalter zuschaltbar. Er wird mit 18 Volt betrieben, um auch herbe Peaks und extreme Einstellungen mit voller Dynamik verarbeiten zu können. Das Batteriefach ist von der Korpusrückseite aus erreichbar, ein Batterie-Satz reicht für rund 120 Spielstunden. Die traditionelle, passive Höhenblende ist zusätzlich vorhanden und wirkt sinnvollerweise nur im Passiv-Modus. Gegenüber getrennten Volume-Reglern für beide Pickups zeigt sich der Zugriff auf PU-Mix und Ausgangspegel durch einen Überblender plus Mastervolume beschleunigt.

Fender American Elite Bässe
FOTO: Dieter Stork
Der gerundete Elite-Halsfuß erleichtert den Zugriff auf höchste Lagen.

identitäten

Die ausgeklügelten Verbesserungen der Halsprofile fallen zunächst nicht besonders auf, allerdings habe ich den Eindruck, dass man mit Spielfreude und Selbstverständlichkeit präzise auf den Elites agiert. Sie bieten das passende Fleisch für erdiges Zupacken, ermüden aber auch nicht, wenn man es besonders genau mit dem sauberen Greifen nimmt – Komfort und Gegenhalt stehen hier offenbar in einem günstigen Verhältnis. Traditionell bleibt die Balance am Gurt, wo Preci und Jazz Bass leicht zur Waagerechten streben, was man aber schon mit einem etwas breiteren Gurt nicht mehr spürt. Der Precision bringt 4,2, der Jazz Bass 4,3 kg auf die Waage.

Der entscheidende Punkt für etliche Interessenten ist wohl, ob die Elite-Versionen die modelltypischen Charakter-Sounds liefern, ihre Erweiterung um zeitgemäße Variabilität steht dabei ja außer Frage. Das hörbare Plus an Genauigkeit und Gleichmäßigkeit ist einerseits der massigen Hardware geschuldet, auch die Graphitstäbe in den Hälsen haben ihren Anteil. Stehende Töne geraten intensiver, das Ausklingen länger und über alle Lagen verlässlicher als in Vintage-Zeiten.

Fender American Elite Bässe
FOTO: Dieter Stork
Unkomplizierte Justierung des Halsspannstabs am frei zugänglichen Drehrad

Wer an den bekannten Stellen nach ausgeprägten Deadspots sucht, wird enttäuscht: Die Elites geben sich keine Blöße. Ein wenig anders ist das mit den zweispuligen Noiseless-J-Pickups, die im Passiv-Betrieb einen Hauch mehr Wärme erzeugen könnten. Sowohl der Jazz Bass, als auch die Stegposition des Precision kommen etwas nüchterner rüber, als man es von den traditionellen Singlecoils gewohnt ist. Was sich aber sofort ändert, wenn man die Elektronik auf Aktiv umschaltet: Bereits ohne einen Klangregler aus der Mittelrastung herauszubewegen, kommt die Saftigkeit in den Ton und der Unterschied ist ausgeglichen.

Der P-Splitcoil liefert ohnehin seinen typisch kehligen Originalklang, dem die zusätzliche Befeuerung im Aktiv-Modus noch mehr Tragkraft, aber keinen Verlust an Charakter beschert. Die identitätsstiftende Aktiv-Schaltung kann zudem noch beim drückenden Bass-Punch und grollenden Mitten entschieden zupacken, während übrigens die Höhen-Boosts grundsätzlich feiner dosiert werden.

resümee

Die Vielzahl feiner Detailverbesserungen hebt die großen Klassiker zweifellos auf heutiges Edelbass-Niveau, wobei aber auch das verblüffende Kunststück gelingt, alle beliebten Reize der altbewährten Player ins Jetzt zu transportieren. Verblüffend dabei ist, dass die in den Klangvarianten erweiterten Instrumente ihre wahre Identität noch deutlicher im Aktiv-Modus herausstellen, wobei neben der Ausstattung zugleich Spielkomfort, Gleichmäßigkeit und Präzision gestärkt sind. Und ein Blick auf den Preis zeigt, dass Fender mit den Elites die normalverdienenden Praktiker nicht aus den Augen verloren hat. Spitze!

Fender American Elite Bässe
Fender American Elite Bässe

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(erschienen in Gitarre & Bass 03/2018)

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