Lauschangriff!

1×12″-Bassboxen bis € 650,- im Vergleich

1x12 Bass Boxen

Wer früher als Bassist gehört werden wollte, musste zwangsläufig auch schwer schleppen: Zentner schwere Boxen-Schränke nahmen weder auf den Rücken noch auf den vorhandenen Stauraum Rücksicht und auch bleierne Röhrenboliden à la Ampeg SVT machten nach dem Gig mehr Ärger als Freude.

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Selbstverständlich werden die ikonischen Bass-Türme der 70er immer einen Platz in der Bassisten-Welt haben – im Zeitalter von Leichtbau-Gehäusen, Neodym-Speakern und hocheffizienten Bassreflex-Abstimmungen gibt es jedoch durchaus Alternativen. Die möglichen Extreme lotet neben den fliegengewichtigen Class-D-Amps auch das zunehmend beliebte 1×12″-Format aus: Angenehm leicht, klein genug um in wirklich jedes Auto zu passen und mit hochbelastbaren Lautsprechern ausgestattet, erfüllen die zierlichen Brüllwürfel durchaus ihren Zweck. Ihr Zuhause sind neben dem Wohnzimmern die kleineren Bühnen in Bars und Clubs, Sessions sowie auch große Bühnen mit potenten Monitor-Systemen. Auch In-Ear-Monitoring-Nutzer können häufig auf massiven Rückenwind verzichten – hier kann eine zu laute Anlage sogar gerne mal zum Problem werden.

In einem ausgiebigen Test-Marathon hat G&B Autor Dirk Groll nicht weniger als 15 Vertreter des 1×12″-Format getestet, die ersten sieben davon (ca. € 300-650) in unserer aktuellen Ausgabe. Zusammen mit den Kollegen von Sound & Recording wollen wir in dieser Folge Lauschangriff die Klangergebnisse der ersten Runde festhalten. Zu jeder Box gibt es zwei Soundfiles: Einmal den direkt mit einem Sennheiser MD421 abgenommenen 12″-Lautsprecher und zusätzlich eine von einem Großmembran-Mikrofon aufgenommene Spur, die aus ca. einem Meter Distanz das klangliche Gesamtbild (inkl. Hochtöner) einfängt.

Auch in dieser Folge wurden alle Klangschnipsel mit einem 70er-Jahre Tokai P-Bass eingespielt. Um möglichst unverfärbte Ergebnisse zu erhalten, haben wir die EQ-Sektion am Verstärker komplett abgeschaltet, alle Samples sind außerdem völlig roh und unbearbeitet.

 

> Wie die Entfernung des Mikrofons zur Box den Sitz des Basses im Mix beeinflusst, erfährst du bei unseren Kollegen von Sound & Recording <<

 

FMC 112 Pro

Das MD-421-Sample bringt den erstaunlich erwachsenen und ehrlichen Ton der FMC gut auf den Punkt. Hier gibt es keine nennenswerten Hügel oder Täler im Frequenzgang – besonders der Detailreichtum im Mittenspektrum ist nicht nur angesichts des günstigen Preises wirklich bemerkenswert.

 

Wie sonst nur Markbass und Gallien Krueger verfügt die FMC über einen stufenlos regelbares Hochtonhorn, welches dieser Box im Vergleich zu einigen Konkurrenten ein merklich filigraneres Obertonspektrum beschert. Bei der Aufnahme haben wir das Horn halb aufgedreht.

 

Fender Rumble 112 V3

Ein absolutes Preis-Leistungs-Wunder ist zweifellos die Fender Rumble. Sie ist nicht nur die günstigste und leichteste Box (14,1 kg) im Vergleich, sie liefert auch den lebendigsten Ton mit einem starken Eigenklang. Das erste Soundsample fängt gut den bulligen, amerikanischen Charakter ein.

 

Bei dem Raum-Mikro fällt die im Vergleich zur FMC etwas reduziertere Höhenwiedergabe auf. Zwar spielt die Fender Rumble nach obenhin schön offen, dennoch kommt sie  insgesamt etwas schmalbandiger und weniger detailverliebt rüber. Auch hier haben wir das Horn mit halber Lautstärke zugeschaltet.

 

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Markbass Traveler 121H

Markbass’ Traveler-Box fällt zunächst durch ihren etwas geringeren Wirkungsgrad auf, man muss also ein wenig mehr Verstärkerleistung investieren, um auf die gleiche Endlautstärke zu kommen. Besonders in den Mitten ist diese Box zurückhaltender und disziplinierter als die meisten ihrer Konkurrenten, was sie eher für tragkräftiges Spiel im Band-Hintergrund qualifiziert.

 

Im Raum hat die Markbass-Box einen sehr unaufdringlichen Charakter. Der Hochtonbereich ist durch das potente Hochtonhorn gut ausgeleuchtet, für das Sample haben wir den Pegelsteller leicht über die Hälfte gedreht.

 

> Hier geht’s zu den Soundfiles der zweiten Hälfte des Vergleichstest <

Hartke HX112 HyDrive

Hartkes HyDrive-Konzept treibt den HiFi-Sound der Markbass auf die Spitze. Die halb aus Aluminium, halb aus Pappe gefertigte Membran des verbauten Neodym-Lautsprechers spuckt deutlich weniger Mitten aus als alle anderen Boxen im Test. Der Hartke sind Zwölfer-typische Nörgeleien völlig fremd, sie konzentriert sich lieber auf ein sattes Low-End und silbrige Obertöne, die den Konkurrenten Material-bedingt verschlossen bleiben. Nicht zuletzt durch die starke Innen-Bedämpfung des Gehäuses ist die Hydrive die mit Abstand leiseste Box in diesem Vergleich.

 

Der Hochtöner der Hartke unterstreicht besonders in der stärkeren Position das extrem glatte Klangbild mit feinen, lispelnden Höhen. Im Band-Mix wird sich diese Box weiter hinten positionieren und dienlich druckvolle Band-Unterstützung leisten.

 

Gallien-Krueger Neo112 II

Die in unserem Heft irrtümlicherweise als geschlossene Box ausgewiesene Gallien-Krueger entpuppt sich schon nach den ersten Tönen als knallharte Funk-Maschine. Der Ton spricht bei dieser äußerst kompakt gebauten Box schnell, kontrolliert und ungemein direkt an – eben fast so als wäre sie geschlossen. Neben knackigen Hochmitten, hat die GK auch eine hohe Lautstärke sowie einen gesunden Bums zu bietet, wobei das Fundament deutlich starrer und weniger Weich als bei der Konkurrenz rüberkommt.

 

Man könnte schon fast darüber diskutieren, ob eine so spritzige Box überhaupt einen Hochtöner braucht. Für unseren Geschmack verleiht der stufenlos regelbare Tweeter dem knochigen Klangbild jedoch bereits in neutral-Stellung noch das letzte bisschen Offenheit und Tiefe.

 

boxen 1

 

Warwick WCA112 LW

Warwicks 1×12″ ist mit Abstand die größte und schwerste (19,5 kg) Box in unserem Vergleich. Sie macht sich simple Physik zu Nutze und holt aus dem großen Gehäusevolumen einen entsprechend großen und erwachsenen Ton heraus. Ihr wolliger und zurückhaltender Charakter positioniert sie eher im HiFi-Lager von Markbass und Hartke, wobei die WCA112 LW stets eine besondere Gutmütigkeit im Sound hat.

 

Auch in der stärksten Position fügt sich der Hochtöner nahtlos in das Tiefenpfund-betonte Klangbild der Warwick ein. Vergleicht man die Raum-Mikro-Spur mit der der Markbass, wirkt Warwicks WCA112LW deutlich weicher und weniger unterkühlt, aber auch weniger klar artikuliert.

 

Tech 21 B112VT

Die nagelneue Tech 21 legt ähnliche Ami-Manieren an den Tag wie die Fender Rumble, kommt dabei aber ein bisschen kontrollierter, gezähmter und auch leiser rüber. Wie auch bei der Markbass, machen es die nach hinten gerichteten Bassreflex-Ports schwierig, das volle Low-End einzufangen – im Raum wirkten beide Boxen voluminöser, als es die Soundfiles vermuten lassen.

 

Auch im Hochton-Bereich sieht alles gut aus, wenngleich der verbaute Piezo in Sachen Leistungsfähigkeit und Detailreichtum erwartungsgemäß nicht ganz mit den ausgewachsenen Hörnern der Konkurrenz mithalten kann.

 

Detaillierte Informationen zu allen Boxen findet ihr im großen Vergleichstest in unserer aktuellen Ausgabe!

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