Die wahren Werte des Rock'N'Roll

Interview-Teaser: Chris Robinson Brotherhood

Auch wenn sich die geschäftlichen Vorzeichen mehr als nur graduell geändert haben, Chris Robinson ist immer noch der gleiche Freak, der er schon zu Zeiten von The Black Crowes war. Damals reiste der Sänger der US-Supergroup ausschließlich First Class, residierte in den nobelsten Hotels und gewährte nur den größten und wichtigsten Medien Audienz. Wer den Mann seinerzeit in einer für ihn angemieteten, feudalen Suite besuchte, traf dennoch einen zutiefst geerdeten Musiker, der mit dem Hype um ihn fremdelte und lieber – barfuß und in speckigen Jeans – über die wahren Werte des Rock‘n‘Roll parlierte.

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Heute fühlt sich Robinson in seiner Haut deutlich wohler. Ohne The Black Crowes. Ohne die Hatz nach Erfolg. Ohne den zermürbenden Termindruck einer Industrie, die permanent auf neue Songs, Alben, Konzerte wartet.

Wenn er mit seiner aktuellen Band Chris Robinson Brotherhood seinen Fans in dreistündigen Konzerten von seinem heutigen Leben erzählt, von Blues und Folk, von Country, Bluegrass, Jazz und auch ein klein wenig Rock’n‘Roll, ist er ganz nah bei sich. Und weit entfernt vom Jetset-Leben, das er einst führte. Wir haben Robinson bei einem Konzert in Hamburg besucht, uns ebenso mit seinem exzellenten Gitarristen und Songwriting-Partner Neal Casal unterhalten, und feststellen dürfen: Erfolg allein macht nicht glücklich.

Chris, zufälligerweise habe ich dich vorhin in einem Schallplattenladen beim Stöbern nach raren Vinylscheiben getroffen. Hast du die Scheibe, die du in der Hand hieltst, gekauft?

Ja. Ich war lange nicht in Deutschland, also nutze ich die Gelegenheit, um nach ein paar seltenen Stücken von Brain Records und Ohr Records zu suchen, also Bands wie Amon Düül, Ash Ra Temple, Guru Guru. Ich habe mir die Scheibe von Guru Guru mit dem Song ‚Samantha‘s Rabbit‘ tatsächlich gekauft. So etwas bekommt man in Amerika nur sehr selten geboten.

Wie groß ist deine Vinylsammlung?

Ich sammle schon seit meinem 13. Lebensjahr Schallplatten. Einige Scheiben habe ich zwar mittlerweile wieder verkauft oder getauscht, aber es sind immer noch etwa 4000 bis 5000 Exemplare.

Deine frühere Band The Black Crowes gehörte damals noch fast zur Vinyl-Generation, oder?

Black Crowes waren sogar noch Teil der Kassettengeneration. Meine Freundin entdeckte die Band auf Kassette, wir verkauften Millionen von den Dingern. Aber ich sehe die Band eher in den Anfängen des CD-Zeitalters. Mit CRB scheint sich jetzt eine Art Kreis zu schließen. Denn wir sind keine Band, die mit einem fertigen Konzept angefangen, sondern sich erst im Laufe ihrer Geschichte entwickelt hat. Da gab es keine Plattenfirma, die sagte: „Hier ist der Vertrag, wir bringen euch groß raus. Die nächsten Schritte sind dieser und jener.“ Diese Band funktioniert anders, weil sie anders ist, andere Fans hat, anders arbeitet. Natürlich schätzen wir uns glücklich, dass wir Alben produzieren und Musik machen können, die wir wichtig finden. Und diesbezüglich sind CDs ein wichtiges Medium. Aber gleichzeitig entsteht die Kommunikation der Band zu ihren Fans eben auch über Vinyl. Vinyl sorgt dafür, dass diese Band weiterarbeiten kann, denn wir sind ja kein Teil des normalen Musikbusiness, sondern leben wie die Hippes im Wald. In Amerika geht so etwas, in Europa würde – außer dir – kein Schwein zu einem Interview kommen, nur weil die Band in der Stadt ist. Entweder du hast eine Charts-CD draußen oder aber keiner schreibt über dich.

Ihr hättet in Europa kaum das erste Jahr überlebt, meinst du das?

Exakt. In Amerika kannst du dich als LiveBand auch ohne aktuelles Album weiterentwickeln. Gruppen wie uns nennen sie dort Jam-Band, und die Leute kommen, weil sie neugierig sind, was sich da abspielt. Wir sehen uns eher in der Tradition der Jazz-Bands, die abends zwei lange Sets spielen und deren Musik Raum und Zeit benötigt.

Machen Chris Robinson Brotherhood also Hippie-Musik?

Das hoffe ich jedenfalls. (lacht) Was sollten wir denn sonst machen? Für mich ist dies in letzter Konsequenz Rock’n‘Roll, weil es auf den typischen Rock’n‘Roll-Wurzeln basiert. Wir lieben Jazz, Fats Domino, Chuck Berry, Little Richard, Buddy Holly, wir lieben Bluegrass und Funk, englische Rockmusik, Rasta- und Reggae-Musik, und übertragen all das auf unsere Songs. Gleichzeitig sind wir eine typisch kalifornische Band. Wenn wir in Kalifornien spielen, tanzen die Leute von der ersten bis zur letzten Minute, auch wenn das Konzert wie üblich drei Stunden dauert. Es ist immer eine sehr angenehme, positive Stimmung, ein großes gemeinsames Happening.

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