Workshop

Pawn Shop: The Hertiecaster

Den Auftakt meiner Reihe über billige, charmante E-Gitarren macht die berüchtigte „Hertiecaster“. Diese Bezeichnung ist ein nur im deutschen Sprachgebrauch benutzter Begriff und kommt daher, dass man in den großen Kaufhäusern wie z. B. Hertie in den 60er- und 70er-Jahren billige E-Gitarren kaufen konnte, die im damaligen Billiglohnland Japan hergestellt wurden.

Christopher Kellner
Abgeschliffenes, mit 80er-Metal-Hals verunstaltetes Exemplar. Wie so oft fehlt der Vibratohebel.

Die meisten der nach Deutschland und in andere Länder exportierten Gitarren stellte Teisco/Kawai her (Kawai hatte Teisco 1967 übernommen). Die japanischen Designer dachten sich zunächst durchaus eigenständige Formen und Konfigurationen aus, um Ende der 1960er- Jahre auf Kopien der großen Hersteller umzustellen.

Anzeige

Die Asiaten produzierten damals alles, was die Großhändler und Kaufhäuser in Deutschland bestellten – Modelle mit einem, zwei, drei oder gar vier Pickups, Tremolo oder Hardtail, in Strat- oder sonstigen Offset-Formen, mit Label oder auch ohne. Die zahllosen fantasievollen Markennamen führen auch heute noch zu Verwirrung über den tatsächlichen Hersteller. Deshalb kann die Herkunft einer Hertiecaster meistens nur anhand ihrer Spezifikationen bestimmt werden, und auch das ist nicht leicht, weil die verschiedenen japanischen Fabriken oft die gleichen Teile nutzten.

Die für diese Folge vorliegende Hertiecaster von Teisco/Kawai ist die in Deutschland bekannteste von allen – das Top-Modell mit Hohlkehle im Korpus, Rollerbridge, vier Pickups und dem typischen Teisco-Vibratosystem, das viele Jahre auf Dutzenden von Modellen zum Einsatz kam.

Mods

Von diesem Modell müssen damals Tausende nach Deutschland importiert worden sein. Man findet es häufig auf eBay und anderen Gebrauchtwaren-Portalen – selten allerdings in gutem Zustand, denn viele Exemplare fielen in den 1970er-Jahren der aufkeimenden Modifzierungs- Wut zum Opfer. In den wenigsten Fällen wurde die Gitarre dabei verbessert – ich habe Dutzende restauriert, bei denen die Elektronik verbastelt und auch sonst die abenteuerlichsten Modifikationen vorgenommen worden waren.

Sicherlich hatte die Modifikationslust auch ihre Gründe, denn so einige der originalen Features waren für den Musiker nur wenig brauchbar. An der Kopfplatte fallen die oftmals angerosteten, nicht wirklich vertrauenerweckenden Mechaniken auf. Diese müssen so gut wie immer entrostet, gereinigt, neu gefettet und angezogen werden. Musikern, die mit einer Hertiecaster regelmäßig live spielen wollen, empfehle ich den Einbau von neuen, gekapselten 8-mm-Mechaniken, die ohne Vergrößerung der Achsenlöcher montiert werden können.

Die flachen und schmalen Bünde auf dem Griffbrett sind oft runtergespielt, und eine professionelle Neubundierung ist deutlich teurer als die Gitarre selbst. Da die Hersteller damals noch keine Experten in der Bundierung waren (oder darauf nicht so viel Wert gelegt wurde), sind die Bünde meist nicht optimal abgerichtet oder haben sich wegen langer Trocken- (oder auch Feucht-)Lagerung unregelmäßig im Griffbrett bewegt. Der erfahrene Restaurator kann hier brauchbare Ergebnisse mit Abrichten, Polieren und Einstellung von Hals und Saitenlage erzielen – dennoch muss man bei vielen Exemplaren mit Dead Spots und Schnarr-Stellen leben. Wer hier anspruchsvoll ist, für den ist eine Hertiecaster auf keinen Fall die richtige Gitarre!

Christopher Kellner
Die berühmte Hertiecaster in restauriertem Zustand

Die Saitenlage ist zudem meist problematisch. Oft lässt sich an der Brücke keine komfortable Saitenlage mehr einstellen; dieses Problem führte oft zur Aufgabe des gerade begonnenen Hobbys, anstatt die einfachste Methode anzuwenden – nämlich einen oder auch mehrere Shims unter den Halsfuß zu legen …

Der Hertiecaster-Body ist meist klein und aus Sperrholz. Berauschendes Sustain darf man hier nicht erwarten. Schlimmer noch sind die Brückenkonstruktionen – in den meisten Fällen handelt es sich um simple Stahl-Balken oder nur gebogene Bleche mit Kerben für die Saiten, die auf zwei Rändelschrauben stehen und fest auf den Body montiert wurden. Die Intonation kann somit nicht, und schon gar nicht individuell für jede Saite, eingestellt werden. Wer sensible Ohren hat und von einer Gitarre verlangt, dass diese an jedem Bund sauber intoniert, ist mit einer Hertiecaster ebenso falsch beraten. Als Kompromiss kann man die Schrauben der Bridge lösen, diese nach bestmöglicher Oktavreinheit wie bei einer Archtop- Gitarre ausrichten und die Platte neu mit der Decke verschrauben. Mit den eventuell sichtbaren alten Löchern muss man dann leben.

Unser 4-Pickup-Modell hat eine Rollerbridge, die man wohl von Gretsch abgeschaut hatte, und bei der sich die runden Saitenauflage-Räder verschieben lassen, um den Abstand der Saiten zueinander verändern zu können. Auch diese Brücke lässt eine individuelle Intonation der Saiten nicht zu. Zudem wurde sie bei diesem Modell nicht direkt auf die Decke des Bodys, sondern auf das Schlagbrett montiert. Deshalb hat das 4-Pickup-Modell den schlechtesten Klang von allen, denn die Soundübertragung von der Brücke auf den Korpus wird vom Plastik des Pickguards stark bedämpft. Wenn schon Hertiecaster, dann besser das Mosrite-artige 3-Pickup-Modell, bei dem die Brücke direkt auf dem Body aufliegt.

Die Elektronik einer Hertiecaster ist ein Kapitel für sich. Die Schiebeschalter für die Pickups sind dabei die größte Schwachstelle. Oft sind sie ausgeleiert, verschmutzt, nicht mehr richtig verkabelt oder ganz abgebrochen. Im Elektronik- Fachhandel kann man gut Ersatz kaufen, Musikalienhändler verlangen oft den fünffachen Preis. Bei den meist verschmutzten Potis rate ich zum Austausch, da eine Behandlung mit Kontaktspray nur für kurze Zeit Abhilfe schafft. Die Buchse ist nicht selten ausgeleiert, was man aber leicht mit einer kleinen Zange beheben kann. Bei einem zerbrochenen Schlagbrett rate ich von einem Kauf der Gitarre ab, denn die professionelle (nicht selbst „laubgesägte“…) Maßanfertigung eines neuen ist mit um die € 80 recht teuer.

Kauf-Tipps

Die Bespielbarkeit einer Hertiecaster hängt davon ab, wie gut die Bünde erhalten sind, und ob Hals sowie Saitenlage optimal eingestellt wurden. Selbst dann kann sich der Spielkomfort nicht mit der einer guten Gitarre messen, und bleibt auch hinter der einer zeitgleich gebauten Höfner, Kira oder Framus deutlich zurück. Bendings sind schwierig, das Spielgefühl sperrig und straff, die Übertragung von Feinheiten im Spiel wegen des geringen Resonanzpotenzials der Gitarre ernüchternd. Mit einer Hertiecaster muss man kämpfen, weshalb ich Anfängern davon abrate, die ersten Schritte ins Gitarristenleben auf einer derartigen Klampfe zu machen.

Christopher Kellner
Die hübsche, kleine Schwester: Mosrite-Style-Hertiecaster mit drei Pickups

Beim Kauf einer Hertiecaster sollte man nicht knausern. Als unrestaurierten, schlecht fotografierten Dachbodenfund bei eBay kann man ein Exemplar schon für unter € 100 ergattern. Meistens werden aber noch umfangreiche Restaurierungsarbeiten nötig sein, die bei einem Gitarrenbauer mehr als den Wert der Gitarre verschlingen. Original-Ersatzteile sind so gut wie gar nicht zu bekommen. Ich rate stattdessen, lieber ein paar Euro draufzulegen und sich ein frisch restauriertes Exemplar mit Rückgaberecht zuzulegen – und sich jederzeit dessen bewusst zu sein, was man da, mit allen Ecken und Kanten, denn nun eigentlich kauft.

Sound

Wie aber klingt denn nun eine restaurierte Hertiecaster und wie kann man sie sinnvoll einsetzen? Neben dem Kultfaktor sind die Pickups die große Stärke dieser Gitarren. Besonders die in den 60ern (und, in leichten Abwandlungen, auch bis in die frühen 70er-Jahre) verwendeten flachen Goldfoils klingen so fantastisch, dass sie Ry Cooder sogar in eine seiner Strats einbauen ließ und es heute zahlreiche Nachbauten auch für andere Gitarrenmodelle gibt. Sie sind laut, twangy und mikrofonisch, was einen idealen knackigen Sound für Twang, Surf, Country und viele andere Anwendungen erlaubt. Unsere Hertiecaster hat bereits die später eingesetzten, rechteckigen Singlecoils, die nicht ganz so toll klingen wie Goldfoils, aber immer noch sehr charakterstark.

Zudem kann man mit den Schiebeschaltern die Pickups beliebig kombinieren und damit sehr viele twangy und „In-between“-Sounds abrufen. Auch mit einem guten Fuzz lassen sich fette Ergebnisse erzielen, mit einem Modeling-Amp oder POD mit modernem High Gain aber eher nicht. Auch der feingeistige Blueser wird hier nicht glücklich – wer es gerne dreckig mag schon eher. Die Paradedisziplin aber ist die Musikrichtung, die beim Bau dieser Gitarren vor allem in Japan immer noch dominierte – Surf-Instrumentals oder frühe Garageund Protopunk-Stile. Und genau an die modernen Anhänger letzterer Richtungen verkaufe ich die meisten Hertiecaster. Eine junge spanische Kundin freut sich immer noch über ihr Exemplar und meint: „Ich will eine Gitarre mit ‚fuck you attitude‘!“ Mission erfüllt …


Aus Gitarre & Bass 02/2017

14 Kommentare zu “Pawn Shop: The Hertiecaster”
  1. Also….vielleicht versteh ichs ja bloß nicht…aber ich hab hier nix gelesen, was positiv klingt 😉 Eigentlich sind hier bloß alle Schwächen dieser Hackstöcke aufgelistet 😉 Sorry – aber so haben wirs damals schon empfunden: nix für Musiker, nur für Kiddies zum Einstieg. Für das heutzutage gezahlte Geld allerdings nicht mal das. Das ist schlicht und einfach Schrott und da gehören die Teile auch hin. Oder in die Hände von Sammlern. Ich heb ja auch nicht alte Batterien oder Strohhalme auf…..naja – da gibts womöglich auch welche 😉

    Antworten
  2. Michael

    Hallo,
    Danke für den ausführlichen Bericht. Ich kann zumindest für meine Hertiecaster (mit 2 Tonabnehmern) viele Kritikpunkte nicht bestätigen. Insbesondere die Saitenlage ist beim mir phantastisch und mit der Bundreinheit habe ich auch keine Probleme. Die Bünde sind halt vintage, damit muss man umgehen können. Die Gitarre lag 30 Jahre bei mir unterm Schrank und ist dementsprechend ordentlich in Schuss, auch die Elektronik. Die Aussagen über den Sound teile ich aber, wobei Twang nicht so meine Sache ist. Ich spiele die Gitarre über einen Roland Cube 20 und da ist der Zerrsound sehr brauchbar für mich als Rockliebhaber. Was ich wirklich schätze: Das Teil ist originell, wiegt nix und liegt doch sehr gut in der Hand.

    Antworten
  3. Habe auch noch solch ein Teil bei mir zu Hause – allerdings nicht mehr in Gebrauch. Ursprünglich war es weiß lackiert, Stratocasterbody, Hals und Heastock ähnlich nannte sich Luxor. 3 Pick-Ups und 2 3-Wege Toggles sowie Volume und Sound einmal je. Vibrato Verstimmungsfrei. Irgendwann (ich bekam das Teil über einen Klassenkamerad so 1974/75) lackierte ich sie hellblau, dann abgebeizt (Material Tischlerplatte? oder Schichthölzer) aber keine Ahnung welche Sorte. dann habe ich sie mit Beitze geschwärzt und so ist sie noch heute im Koffer – war halt meine erste E-Gitarre. Davon kann man sich irgendwie nicht trennen.

    Antworten
  4. Gerald Sternbeck

    Ich hatte auch eine, die mit drei Tonab., ich bin auch im besitz einer mit zwei Tonab. diese habe ich hoch gelegt und benutze diese als Slidgitarre und das klingt verdamt gut.
    Evt. zur ergänzung ich habe meine damals über das Versandhaus Neckerman auf Raten gekauft, und habe damit das Laufen gelernt, und das war eine gute erfahrung für meine Zukunft.

    Antworten
  5. Dirk Gpunkt

    Für mich waren das immer Lagerfeuergitarren die in das Lagerfeuer gehörten.
    Unspielbar bzw. nur spielbar in den ersten drei Bünden, mikrophonisch und die Hardware nebst Elektrik ebenfalls Kernschrott. Wenn ich manchmal Kleinanzeigen lese mit Preisvorstellungen jenseits von Gut und Böse kann ich nur lachen. Die Leute meinen tatsächlich sie hätten etwas besonderes. Jede günstige Squire ist da empfehlenswerter. Ich wäre damals (Anfang der 70er) glücklich gewesen wenn es günstige E-Gitarren auf dem Niveau a la Squire, Epi etc. gegeben hätte. Mit was für Elends- Gitarren und miesen Amps hat man sich rum gequält. Die Kids heute haben da paradiesische Zustände.

    Antworten
  6. Dirk gpunkt

    Für mich waren das immer Lagerfeuergitarren die in das Lagerfeuer gehörten.
    Unspielbar bzw. nur spielbar in den ersten drei Bünden, mikrophonisch und die Hardware nebst Elektrik ebenfalls Kernschrott. Ich habe damit auch niemanden mal live spielend mit Band damit gehört Wenn ich manchmal Kleinanzeigen lese mit Preisvorstellungen jenseits von Gut und Böse kann ich nur lachen. Die Leute meinen tatsächlich sie hätten etwas besonderes. Jede günstige Squire ist da empfehlenswerter. Ich wäre damals (Anfang der 70er) glücklich gewesen wenn es günstige E-Gitarren auf dem Niveau a la Squire, Epi etc. gegeben hätte. Mit was für Elends- Gitarren und miesen Amps hat man sich rum gequält. Die Kids heute haben da paradiesische Zustände.

    Antworten
  7. O. Uhde

    Ich hatte die Version mit 4 Pickups. Die Saitenlage war sicher nichts für Weicheier, die Sunburst-Lackierung war wunderschön, was auch Freunde immer wieder bestätigten. Der Nullbund führte zu einem speziellen Klang bei Leersaiten. Der Wimmerhebel war auch speziell. Und das ist es auch, was die Gitarre ausmacht und was man nicht in Messdaten fassen kann: Sie ist irgendwie etwas ungewöhnlich und hat Charakter. Mir hat sie den Spaß am Spielen nicht verleidet. Es ist im Übrigen gar nicht wahr, dass man nur mit perfekten Instrumenten Musik machen kann. In ärmeren Gegenden der Welt wird tolle Musik mit richtigen Schrottinstrumenten gespielt. Im Grunde geht es doch um Gefühle. Technische Meisterschaft hat doch nur dann Sinn, wenn man die trotzdem transportieren kann. Ich bin jedenfalls als Teenager mindestens ein halbes Jahr bei Hertie um diese Gitarre herumgeschlichen, bis ich die 198 DM aufbringen konnte. Eine echte Stratocaster oder gar Les Paul waren unerschwinglich. Heute gibt es objektiv viel bessere günstige Einsteiger-Instrumente, aber wie gesagt: man sollte auch damit irgendetwas ausdrücken wollen. Das ist nämlich das Wesen von Musik.

    Antworten
  8. resonatorman

    Das Modell mit den 4 Pickups war auch meine erste E-Gitarre – für 250 Mark aus dem Hertie! Alle anderen Gitarren fingen so bei 700 DM an, waren unbezahlbar. Und ja, die war grauenvoll…kann dem Vorredner nur zustimmen mit den “paradiesischen Zuständen heute”.

    Antworten
  9. Uwe Cossmann

    Wir hatten eine Hertiecaster als ‘Zweitinstrument’ in meiner ersten Band auf der Schule. Bei jedem Gig spielte ich Johnny B. Goode in der Version von Johnny Winter darauf und zerlegte das Teil anschliessend in einer Feedback-Orgie. Zuhause wurde sie notdürftig wieder zusammengeschraubt – bis zum nächsten Mal …

    Antworten
  10. Dietmar Schlüter

    Ich kann Christopher Kellner`s ( Autor ) Aussagen in allen genannten Punkten nur bestätigen. Auch ich habe Ende der 60èr Jahre meine ersten “Gehversuche” auf solchen “Geigen” gestartet. Da man die berühmten Marken wie Fender und Gibson kaum bekam und für damalige Zeit sehr teuer waren, musste man sich mit diesem Elektroschrott abgeben. Das ist zwar im Sprachgebrauch Vintage, aber dann lieber eine neue Yamaha, Squier oder günstige Hagström kaufen, da weiß man was man hat. Oder anstatt dreimal billig kaufen, einmal vernünftig kaufen. Fender USA oder Fender Japan !!
    Auf jedenfall ist es heute wesentlich einfacher vernünftiges Equipment zu kaufen als noch vor 40 Jahren. Finger weg von dem “Sperrholzzeug” !!

    Antworten
  11. Volker Lohweg

    Tja, hatte ganz am Anfang auch so ein Teil (Neckemann) und danach eine Klira a la ‘Fender Jaguar’, war auch nichts besser. Ich finde es ja toll, wenn derartige Instrumente restauriert werden. Der historische Wert ist auch gegeben. Aber damit spielen? Ich weiß nicht, ist eher etwas für den Kamin (nicht zum Darüberhängen, sondern zu wärmen;)) . Ich brauche deratige Teile wirklich nicht mehr ….

    Antworten
  12. Das hört sich an als ob die Japaner damals nur Schrott gebaut hätten.
    Dem ist aber nicht so.
    Ich habe 3 erstkalssige Gitarren aus den 70er und 80er Jahren die Ihresgleichen suchen.
    Erstklassige Verarbeitung und Ausstattung.
    Es sind Gitarren aus dem Matsumoku Werk. Dort wurden die Gitarren für Ibanez Washburn Guitars. Epiphone, Westone und Aria gebaut.
    Wer also eine Vantage Electra oder Westbury made in Japan vor 1987 findet macht evtl ein Schnäppchen. Den diese Gitarren sind Qualitativ sehr Hochwertig aber vom Namen her recht unbekannt und werden oft weit unter Wert angeboten.
    Also nicht alle Gitarren aus Japan sind Schrott….

    Antworten
  13. Jürgen Martens

    Tag,
    mit großem Vergnügen habe ich Euren – längst überfälligen – Beitrag zum Thema „Hertiecaster” gelesen.

    In der Tat war es bei Hertie in Bremen, wo ich Anfang der 70er, als ich mich erstmals mit dem Gedanken befasste, eine Rockstar-Karriere einzuschlagen, genau diese ”canoe paddles with wires” (Zitat Guitar Player) zum ersten Mal gesehen habe.

    Die einfachste Ausführung mit einem Pickup und einfachem Steg und Saitenhalter ging für 78 Mark über den Tresen, die Deluxe-Version mit 4 (!) Pickups, schnittigen Schiebe-
    Schaltern und lummeligem Jammerhaken für 100 Mark mehr. Dazwischen lagen noch verschiedene andere Ausstattungs-Varianten.

    Und obwohl das auch damals nicht viel Geld war, spürte ich – der ich von der Materie noch keinerlei Ahnung hatte –, dass dies reinster Schrott war, den meistens Mutti und Vati für den Gabentisch kauften, damit Sohnemann endlich zu quengeln aufhörte.

    Nicht ohne Grund kostete das günstigste Anfänger-Modell von Framus damals immerhin schon 198 Mark – Jazzmaster-Body, auch nur mit Schichtholz-Hals, einem Brikett-Singlecoil, ziemlich primitivem Steg und einfachsten Bandmechaniken.

    Aber in der Qualitätsanmutung trennten diese Instrumente Welten von der Fernost-Ware. Darauf konnte man wirklich spielen, statt sie früher oder später im elterlichen Partykeller
    an die Wand zu hängen (man war ja modern, hörte auch schon mal Beatmusik) und für das Konfirmationsgeld dann doch lieber eine Zündapp Sport-Combinette zu kaufen.

    Those were the days. Wie gut haben es da doch heute die Einsteiger mit der Qualität von Squier o.ä., die für kaufkraftbereinigt noch weniger Geld schon anständige Qualität –
    und erwachsenen Look, ganz wichtig! – bieten.

    Antworten
  14. Wolfgang Edler

    So/so… ich habe 1976 mit der Sevilla 600N begonnen, das ist das Konzertgitarren-Pendant zur Hertiecaster. Billige Materialien, ABER: meine war immer gut zu bespielen, und klingt auch wirklich gut (sicher ein Zufallstreffer, ist aber so!) – bis heute, denn ich spiele sie tatsächlich immer noch, auch wenn ich inzwischen viele Gitarren mehr habe…
    Die “Einfach”-Hertiecaster-Variante, 1 PU, ohne Vibrato, bekam ich dann von meinen Eltern als Gebrauchtkauf – teurer als neu bei Hertie… Ich kann wohl sehr vieles aus dem Artikel bestätigen, aber: ich habe diese Gitarre wirklich geliebt, und bis heute habe ich ein besonderes Faible für Schwarzrot Sunburst! Später habe ich sogar einen echten Gibson HB zusätzlich eingebaut (teurer als die ganze Gitarre, egal) und die Gitarre dann so mit 16/17 einem Kumpel verkauft, der sie meines Wissens nach immer noch besitzt, aber nicht rausrückt. Viele Jahre später hat er sie mir mal geliehen, ich war entsetzt über ihre miese Spielbarkeit, die mir früher nie aufgefallen war…
    Aus reiner Nostalgie hab ich mir inzwischen für 30,- ein vergammeltes, aber grundsätzlich guterhaltenes Exemplar dieses Modells nachgekauft und restauriert – und so schlimm ist sie gar nicht. Auch das “Kämpfen” macht Laune. Aber wenn ich draufschaue, bin ich für einen kleinen Moment wieder 15… Und das ist sicherlich auch der (einzige?) Grund für die Preise, die aktuell verlangt werden…

    Antworten
Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: