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Ibanez Artist AR-100: Saitenspannung nicht zufriedenstellend

Bei meiner alten Ibanez Artist AR-100, Bj.1980, beobachte ich folgendes Phänomen: Die Saitenspannung ist mit .010er-Saiten nicht zufriedenstellend einzustellen, was sich dahingehend auswirkt, dass die E- und A-Saiten sehr langsam einschwingen (sind also zu schlabberig, die Saitenspannung ist zu niedrig). Der gespielte Ton twängt sich erst ein, also von hoch auf tief, was dazu führt, dass ein Powerchord nie richtig gestimmt klingt. Wir haben auch dickere Saiten probiert (011,012), da wurde es sogar noch schlimmer. Was kann das sein?

Rob Rodriguez (G&B-Leser)

Dieter Stork

Die Ibanez Artist ist im Prinzip eine „Santana-Gitarre“. Gebaut für viel Sustain einzelner Töne und relativ langsam gespielter Tonfolgen. Dafür ist sie mit dieser massiven Gibraltar Bridge, dem pfundschweren Messing-Sustainblock und dem Knochen/Messing-Kombination-Sattel entsprechend getrimmt. Dadurch entwickelt sich die Tonentfaltung nach dem Anschlag langsam, denn die Schwingungsenergie wird zuerst in das ganze Messing abgegeben und kehrt anschließend als Sustain zurück. Tonwölfe begleiten das Ganze und das kann zu den geschilderten Problemen führen. Für Power-Chords, Heavy Rock oder tief Gestimmtes ist solch eine Gitarre schlicht das Anti-Instrument. Betrachtet man den Saitenzug eines normalen .010er-Satzes, stellt man fest, dass die tiefe E-Saite weniger Saitenzug hat als die A- und D-Saiten (7,67 zu 8,64 und 8,34 kg – Angaben von D’Addario EXL 110). Vielleicht führt der D’Addario .010er-Satz mit der Bezeichnung EXL 110 BT Balanced Tension zu einem besseren Spielgefühl? Der ist so bemessen, dass alle sechs Saiten annähernd denselben Saitenzug haben. Auch der Wechsel auf eine andere Marke könnte helfen, so bietet z. B. Pyramid auch balanced Saitensätze in .009er und.010er-Stärken an. Die ungünstigste Art von Saiten für dieses Instrument dürften Pure-Nickelsaiten sein.

André Waldenmaier


Aus Gitarre & Bass 12/2016

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