Pickup

Die Geschichte der E-Gitarre ist geprägt vom Wunsch nach immer größtere Lautstärke. Der Pickup spielte und spielt auch noch heute daher eine zentrale Rolle!

Pickup Sonderformen

Ja, es gibt sie – die Tonabnehmer abseits der klassischen Fraktionen. Und das ist gut so, eröffnen sie auf der einen Seite neue, alternative Sounds, auf der anderen Seite aber auch die Bestückung der Lieblings-Gitarre mit dem Lieblings-Pickup-Typ, und das meist sogar ohne die Oberfräse bemühen zu müssen! Singlecoils in Humbucker-Größe und Humbucker im Singlecoil-Format gibt es schon länger, aber mittlerweile ist fast jeder Pickup-Typ in jeder klassischen Pickup-Größe lieferbar. Humbucker in Jazzmaster-Kappe? FilterTron im P-90-Format? Alles kein Problem mehr …

Humbucker im Singlecoil-Format

Will man in seine Singlecoil-Gitarre für breitere, mittigere Sounds einen Humbucker einsetzen, stellt einem der Markt heute selbige in der schmalen Singlecoil-Bauform zur Verfügung. Doch sollte man nicht erwarten, dass diese Pickups dann genau den Sound erreichen, den man von einem normal großen Humbucker kennt. Denn ein schmaler Pickup nimmt eben auch nur ein schmales Schwingungsfenster der Saite ab. Schmal ist hier gleichbedeutend mit höhenreich. Da aber der schmale Humbucker wie ein fetter Humbucker klingen soll, muss dieser mit einer großen Wicklungszahl hergestellt werden, was das Zuviel an Höhen reduziert. Je höher die Wicklungszahl ist, umso indifferenter und wenig dynamisch kann jedoch das Klangbild sein.

Dennoch haben die meisten Hersteller mittlerweile gelungene Humbucker im Singlecoil-Format im Programm, denn sie stellen eine willkommene Alternative zu den brummenden, dünnen Singlecoil-Sounds dar. Natürlich gibt es auch Humbucker für das andere klassische Singlecoil-Format, die P90-Soapbar-Größe. Z. B. bietet DiMarzio neben dem DLX auch seinen Klassiker Super Distortion für diesen Zweck an, und wer FilterTron-Sounds in Soapbar-Kappe mag, wird bei Harry Häussel und der Soapbar-Version seines Trone-Bucker fündig.

Singlecoils im Humbucker-Format

Was tun, wenn man seiner Gibson Les Paul Singlecoils verordnen, aber keine Holzarbeiten am Korpus verrichten will? Dieser Frage stellte sich 1978 auch Dieter Gölsdorf (damals Rockinger-, heute Duesenberg-Entwickler) und ersann als Antwort den Rockinger Domino, einen P-90-Typ (Singlecoil), der 1:1 in übliche Humbucker-Rahmen und -Fräsungen passt und sich heute, ebenfalls mit dem Namen Domino, im Duesenberg-Pickup-Programm wiederfindet. Dort steht auch der PH-90 Single-Twin, ein Humbuckergroßer Pickup mit zwei versetzt zueinander eingebauten kleineren Spulen, die einen glasklaren Singlecoil-Sound ohne Brumm liefern.

Pickups von DiMarzio

Wolfgang Damm, damals noch Produktmanager des deutschen Gibson-Vertriebes und später Gründer von AmberPickups, entwickelte in den 1980er-Jahren seinen P-94, der seit 1997 von Gibson unter Lizenz in Gibson-Gitarren verbaut wird – ebenfalls ein P-90-Typ in Humbucker-Größe. Natürlich bietet auch Damms eigenes Label AmberPickups diesen Pickup an, hier sogar in zwei Varianten:

Einmal als 94 Classic (klassische P-90-Konstruktion mit zwei unter der Spule liegenden Magneten), aber auch als 94 Amber mit sechs einzelnen Magnet-Stiften, also in der Art, wie auch Fender-Pickups konstruiert sind.

Natürlich bieten auch viele andere Hersteller (z. B. Seymour Duncan, Häussel, LeoSounds, Barfuss) mittlerweile diesen beliebten Tonabnehmer-Typ an. Wer auf einen klassischen P-90-Sound aus ist, der sollte darauf achten, dass der Pickup wie in der originalen Version eine flachere Spule als ein Humbucker besitzt und möglichst mit Alnico-II-Magneten bestückt ist.

Noiseless Pickups in Singlecoil-Form

Die brummfreien Vertreter der Singlecoil-Fraktion! Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie ein normaler Humbucker, nur, dass hier meistens die beiden Spulen übereinander gestapelt sind. So konstruiert, beeinflussen sich die beiden Spulen elektromagnetisch, wodurch Sound-Qualität und Lautstärke leidet. Dies versuchen die Konstrukteure durch eine höhere Wicklungszahl zu kompensieren.

Die jüngsten Vertreter dieser Spezies klingen mittlerweile wirklich gut und sind ein Segen für alle, denen das Brummen unerträglich ist – z. B. beim Recorden am Rechner. Wenn auch die Tatsache, dass gut doppelt so viel Wicklungen wie bei einem normalen Singlecoil im Einsatz sind, mit etwas weniger Transparenz, Brillanz und Dynamik einhergeht. Diese Pickups müssen sehr dicht an die Saiten gebracht werden, da sonst ihre Ausgangslautstärke und damit ihre Klangqualität deutlicher als bei normalen Singlecoils verloren geht. Aber dies birgt die Gefahr von Stratitis! Auch sind die meisten der „brummfreien“ Pickups, speziell der Fender-Noiseless-Typ, immer noch etwas leiser als normale Vintage-Singlecoils.

Amber Pickups

Erstaunliche Entwicklungen bringt in regelmäßigen Abständen der amerikanische Pickup-Experte Don Lace auf den Markt. Mit dem Holy-Grail-Pickup für Stratocaster ist es ihm gelungen, zwei Pickup-Spulen hochkant in dem kleinen Singlecoil-Gehäuse zu wickeln und diese rechts und links von sechs Einzelmagneten zu positionieren. Um die elektromagnetische Trennung beider Spulen noch zu verstärken, wurden die Spulen „dreieckig“ ausgeführt, und versetzt gegenübergestellt. Tatsächlich produzieren diese Holy-Grail-Pickups einen tollen Stratocaster-Sound mit sehr gutem Ansprechverhalten, ordentlicher Obertoncharakteristik, authentischem Singlecoil-Sound, und das weitestgehend ohne Brummen.

Der Fender Wide Range Humbucker

Fender entschloss sich erst 1970 zur Entwicklung und Einführung eines echten Humbucker-Pickups. Dazu wurde der von seiner Arbeit für Gibson bekannte Seth Lover engagiert, der ja immerhin für die Entwicklung des legendären PAF-Pickups verantwortlich zeichnete. Lover konstruierte für Fender jedoch einen anderen Humbucker, der Fender-typisch aus zwölf einzelnen Stabmagnegten bestand, die durch ihr schraubenähnliches Gewinde in der Höhe individuell eingestellt werden konnten.

Statt AlNiCo- , das sich nicht für Schraubengewinde eignete, wurde das eher selten eingesetze CuNiFe-Magnetmaterial eingesetzt, eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Eisen. Pro Pickup-Spule wurden nur drei Polepieces aus der Metallkappe des Pickups herausgeführt, und zwar in versetzter Anordnung. Der Fender-Humbucker wurde zuerst in der 1970 eingeführten Telecaster Custom in der Halsposition eingesetzt, verschwand dann aber 1979 vom Markt.

1998 stellte Fender eine Neuauflage des Wide-Range-Humbuckers vor, der aber nichts weiter darstellt als eine normale Humbucker-Konstruktion mit einem Alnico-Balkenmagneten unter der Spule und Stahlstiften, die nach oben führen. Einige wenige kleine Hersteller fertigen allerdings auch heute noch den Wide-Range-Pickup nach dem Originalrezept inkl. CuNiFe-Magnetmaterial (Telenator, The Creamery u. a.).

Gibson Mini- und Firebird-Humbucker

Obwohl beide gleich groß sind, unterscheiden sich diese Humbucker in ihrer Konstruktion doch deutlich voneinander. Der ebenfalls von Seth Lover entwickelte Mini-Humbucker, der gegen Ende der 1960er-Jahre aus den Regalen der Tochterfirma Epiphone genommen wurde, um die Les Paul damit zu bestücken, ist praktisch ein geschrumpfter P.A.F.-Typ mit zwei Spulen und darunterliegendem AlNiCo-V-Barrenmagneten. Statt ca. 2Ω 5000 Windungen, 42-AWG-Draht wie bei einem großen Humbucker, hat er nur 2Ω 4.250 aufzuweisen und kommt auf einen Gleichstrom-Widerstand von etwa 7 kOhm. Sechs Eisen-Polstücke werden durch die eine Spule und aus der Kappe herausgeführt. Sie sind separat in ihrem Abstand zu den Saiten einstellbar. In der zweiten Spule liegt längs unter der hier geschlossenen Kappe ein Eisenbarren. Der Klang des Mini-Humbuckers ist aufgrund des kleineren Magnetfeldes heller, und der Output etwas geringer als bei einem großen Humbucker.

Replik des Gibson-Firebird-Pickups
Replik des Gibson-Firebird-Pickups vom deutschen Hersteller David Barfuss

Der Pickup, der speziell für die Gibson Firebird auf Grundlage des Epiphone Mini-Humbuckers konstruiert und 1963 auf den Markt gebracht wurde, hat die gleichen Spulen, den gleichen Draht und die gleiche Wicklungszahl wie der Epiphone/Gibson-Mini-Humbucker, trägt aber in jeder der beiden Spulen einen AlNiCo-II-Magneten unter der komplett geschlossenen Kappe. Er klingt „fendriger“, also heller und aggressiver als der Mini-Humbucker. Es scheint, dass Gibson im Lauf der Zeit den Firebird-Pickup immer mal verändert hat. So haben die aktuellen Typen Keramikmagnete und erreichen einen Widerstandswert von bis zu 20 kOhm, was darauf schließen lässt, dass hier ein dünnerer Draht verwendet wird.

„Tron“-Pickups in Humbucker-Größe

Neben den klassischen Singlecoil- und Humbucker-Sounds hat sich vor allem in den letzten Jahren der Klang des Gretsch Filter-Tron als ein weiterer Klassiker etabliert. Nur logisch, dass Pickup-Hersteller dieses Klangkonzept auch im massenkompatiblen Humbucker-Format anbieten. Als einer der ersten war natürlich TV Jones dabei, der mit seinen Replacement-Pickups die Gretsch-Verantwortlichen dermaßen überzeugt hat, dass sie seine Aggregate in die teureren Gretsch-Modelle nun serienmäßig einbauen. TV-Jones-Pickups sind auch in Versionen lieferbar, die den Einbau in Standard-Humbucker-Rahmen ermöglichen. Duesenberg baut seinen hell und klar klingenden D-Tron in einige Gitarren der eigenen Programmpalette ein, und von Harry Häussel kommt der TroneBucker, der mit einer gemischten Magnet-Auswahl (AlNiCo IV und III) und einer speziellen Wicklung einen exquisiten Filter-Tron-Sound produziert.

G&L-Pickups

Die Firma G&L war die letzte Spielwiese Leo Fenders. Ein Produkt seines nimmermüden Erfindergeists waren die sogenannten „Magnetic Field“-Tonabnehmer, die dank ihres großen Keramikmagneten einen lauten, brillanten und relativ linearen Klang produzieren, deutlich lauter und kraftvoller als vergleichbare Fender-Aggregate. Hier sitzen auf dem unter der Spule liegenden Magneten sechs aus Eisen bestehende Pol-Stücke, die individuell mit einem Inbusschlüssel in der Höhe, passend zu den Saiten eingestellt werden können.

Gibson-Mini-Humbucker
Gibson-Mini-Humbucker, auseinandergebaut

Eine interessante Variante stellen die Magnetic Field „Z-Coil“- Pickups von G&L dar. Ein Pickup ist in zwei Hälften aufgeteilt, die nicht nur in verschiedenen Gehäusen sitzen, sondern auch entgegengesetzt gewickelt und gepolt sind. Dies bewirkt die gewünschte Unterdrückung von Nebengeräuschen, erhält aber den ebenso gewünschten Singlecoil-Sound.

Aktive Niederimpedanz-Pickups Während ein „üblicher“, passiver Hochimpedanz-Pickup mit ca. 6000 Umwicklungen hergestellt wird, kommen Niederimpedanz-Pickups mit ca. 1000 bis 2000 Wicklungen aus. Viele moderne, aktive Pickup-Systeme, die mit Vorverstärker samt Batterie arbeiten, sind zu den Nieder-Impedanz-Pickups zu rechnen. Der Vorreiter dieser Technik ist der amerikanische Hersteller Alembic.

Später ist es Rob Turner mit seiner Firma EMG gelungen, gut klingende und problemlos zu bedienende aktive Pickup-Sets zu entwickeln, die alle Nachteile herkömmlicher, passiver Pickups eliminierten. Bedingt durch den direkt in das Pickup-Gehäuse eingebauten, den Klang korrigierenden Vorverstärker, konnte EMG schwache Magneten und Spulen mit kleiner Wicklungszahl verwenden. Der dadurch eingesparte Platz wurde genutzt, um den gesamten Pickup dick mit Abschirmfolien zu umwickeln.

Ein weiterer Vorteil aktiver Pickup-Systeme ist die relativ hohe Ausgangslautstärke, mit der sich leicht die Eingangsstufe eines (Röhren-) Verstärkers übersteuern lässt. Der glatter verlaufende Frequenzgang sorgt zudem bei Verwendung komplexer Effektgeräte-Systeme und Extrem-Verzerrungen für ein starkes, durchsetzungsfähiges Signal. Nicht umsonst haben sich EMGs in den Gitarren der Hard‘n‘Heavy-Fraktion längst als Standard etabliert.

Nachdem EMG lange Jahre der führende Hersteller für diese aktiven Systeme war, gibt es heute Ähnliches von Seymour Duncan mit seinen Live-Wire-Pickups und einigen anderen Herstellern. Passive Niederimpedanz-Pickups In der Gitarrengeschichte gab es auch passive Niederimpedanz-Pickups (mit ca. 0,5 – 1,5 kOhm Gleichstromwiderstand).

Diese Tonabnehmer nahmen z. B. deutlich weniger Störgeräusche wie Knistern oder Brummen auf. Auch der Frequenzverlauf war wesentlich geradliniger. Im Zuge der Entwicklung solcher Pickups fertigte Bill Lawrence bereits 1948 (damals noch als Billy Lorento) niederohmige Pickups mit einem Gleichstromwiderstand von 0,5 bis 1,5 kOhm, darunter auch den vermutlich ersten Humbucker der Welt mit zwei Niederimpedanzspulen und lediglich ca. 600 Wicklungen. Während die frühe Entwicklung der E-Gitarre vor allem bei den in Deutschland ansässigen Herstellern eindeutig in Richtung Niederimpedanz-Pickups inkl. der dazu passenden Verstärker mit hochwertigen Eingangsstufen ging, favorisierten die Amerikaner preisgünstiger herzustellende Verstärker mit hochohmigen Eingängen, die von entsprechend ausgangsstarken, hochohmigen Tonabnehmern angesteuert werden mussten. Dass diese eher unvollkommene Technik bis heute der Industriestandard geblieben ist, liegt wohl daran, dass die angesagte Musik auch von dort kam und eben mit solchen Instrumenten und Verstärkern erzeugt wurde.

Gibson brachte 1971 allerdings die Les Paul Recording und den dazu passenden Triumph-Bass mit Niederimpedanz-Pickups und einer sehr aufwendig konstruierten Schaltung für spezielle Studioanwendungen auf den Markt. Damit diese Spezialinstrumente überhaupt mit normalen Verstärkern gespielt werden konnten, wurde ein kleiner Ausgangsübertrager als Impedanzwandler in das Instrument eingebaut.

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