Jimi Hendrix

Ohne Frage gehört James Marshall, genannt Jimi, Hendrix bis heute zu den wichtigsten Vertretern der E-Gitarre und zu den einflussreichsten Musikern unseres Jahrhunderts, und das trotz seiner relativ kurzen, vierjährigen Karriere als Rock-Star.

Da die Lebensgeschichte von Jimi Hendrix hinlänglich bekannt ist und an jeder Ecke des World Wide Web oder auch in einer der unzähligen Buchveröffentlichungen nachgelesen werden kann, sollen an dieser Stelle Musiker-Kollegen zu Wort kommen. Talkin’ about Jimi – Erklärungsversuche eines Phänomens.

Miles Davis über Jimi Hendrix

„Jimi Hendrix kam vom Blues, wie ich. Und deshalb haben wir uns auch auf Anhieb gut verstanden. Er war ein Blues-Gitarrist.“

Robert Plant über Jimi Hendrix

„Ich legte eine Hendrix-Platte auf, und mein Sohn fragte mich: ‘Daddy, wer ist das?’ Und ich sagte: ‘Weißt du, das ist Gott.’“

Sting über Jimi Hendrix

„Jimi Hendrix hatte einen sehr großen Einfluss auf mein Leben. Als ich 14 war, habe ich ihn in einem kleinen Club live spielen gesehen. Er war einer der Menschen, die in mir den Wunsch geweckt haben, unbedingt Musiker zu werden.

Jimi Hendrix über Jimi Hendrix

„Manchmal willst du die Gitarre einfach hinschmeißen, dann hasst du dein Instrument. Aber wenn du ihm trotzdem treu bleibst, wirst du dafür belohnt werden.“

Albert Collins über Jimi Hendrix

G&B: Hast du vielleicht noch einen speziellen Tipp für aufstrebende Gitarristen?

Collins: Genau das ist die Story, die ich allen jungen Gitarristen erzähle: Spiel’ weiter, mache deine eigenen Sachen! Weißt du, das Problem, das viele junge Musiker heute haben ist, dass sie sich ständig Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughan u. a. angehört haben – und jetzt spielen sie eben auch Sachen, die klingen wie Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan. Spiel’ deinen eigenen Kram, wenn du das kannst – das habe ich auch immer gemacht! Dann wird aus dir auch was eigenes werden …

Dweezil Zappa über Jimi Hendrix

„Ich hatte bis zu meinem 12. Lebensjahr kein großes Interesse an Musik, schaute mir im Fernsehen auch keine Musiksendungen an und besaß noch nicht mal ein Radio. Und dann hörte ich (um 1983) Van Halens erstes Album, das damals schon relativ alt war. Ich war sehr inspiriert von Eddies Sound, der unterschied sich so stark von dem, was andere Gitarristen machten.

Ich empfand das als so revolutionär, wie ich heute Jimi Hendrix sehe. Beide haben die Gitarre auf ihre eigene Art neu definiert; und der Sound von beiden ist auch gleichermaßen schwer zu imitieren. Das hat auch nichts mit ihrem jeweiligen Equipment zu tun; diese Art von Sound kommt zu 75% aus den Fingern, vom Vibrato und vom Anschlag.“

Michael Katon über Jimi Hendrix

„Für Clapton, Hendrix, die Stones und andere Leute aus den Sechzigern habe ich mich erst sehr spät interessiert; meine ersten Hendrix-Alben kaufte ich vor drei oder vier Jahren (lacht). Ich beschäftigte mich eben mehr mit ganz straightem Blues… – obwohl Jimi Hendrix vielleicht, mmh, vielleicht einer der besten Blues-Gitarristen überhaupt war, wenn er echten Blues spielte.

Ich habe einige Bootleg-Versionen von ,Red House‘ zu Hause. Bei einer Aufnahme spielt er sehr, sehr langsam, mit cleanem Ton und auch sonst sehr sauber, ohne Fehler. Das ist wirklich toll … Aber es waren eigentlich Leute wie die Fabulous Thunderbirds und Stevie Ray Vaughan, die mir die Türen geöffnet haben. Stevie Ray hatte in dieser Hinsicht für meine Generation eine ähnliche Bedeutung wie Clapton in den 60er Jahren. Diesen Musikern schulden wir daher eine Menge.“

Mike Stern über Jimi Hendrix

Stern: Ich liebe die ,Band Of Gypsies‘, aber auch ,Are You Experienced‘, ,Axis: Bold As Love‘. Wow! Großartige Musik, und auch heute noch absolut großartige Platten! You can put that shit on, and it’s like … come on! He did a lot of great stuff!

G&B: Ein größeres Publikum ist während deiner Zeit mit Miles Davis zum ersten Mal auf dich aufmerksam geworden. Dein Stil war damals sehr Rock-orientiert.

Stern: Miles wollte, dass ich in dieser Art spielte. Es gab auch Gelegenheiten, bei denen ich meine eigenen Vorstellungen stärker verwirklichen konnte; eine Art zu spielen, die ich als wesentlich dynamischer empfinde. Aber Miles wollte mir am liebsten immer an jede Saite einen eigenen Amp anschließen, er wollte diesen Wowwww!!!-Sound. (macht Miles Davis’ Stimme nach) „I’ll get you an amp for every string!“. Er wollte anfangs immer, dass ich laut spiele, dass ich wie Hendrix klinge. Aber später durfte ich auch mal etwas leisere Töne anschlagen …

 

Reeves Gabrels über Jimi Hendrix

Reeves Gabrels: Eine Sache, die David Bowie mir sagte, als ich den Job in seiner Band bekam, war: „Wenn wir live spielen brauche ich einen Gitarristen, der eine Mischung aus Jeff Beck, Jimi Hendrix, Albert King, Mick Ronson, Aaron Copland …“ usw. Er hatte eine ellenlange Liste! „Du sollst nämlich die Lücken füllen, wenn ich mal nicht singe, du sollst den Ball aufnehmen und weiterspielen, den ich dir zuwerfe. Und wenn du den Ball zu mir zurückwirfst, dann muss es nicht mehr derselbe sein, dann kann er ruhig wie ein Würfel aussehen.“ Ich antwortete ihm: Oh, vielen Dank, dass du jeden Druck von mir nimmst! Hahaha!

G&B: Und welche Gitaristen haben dich beeinflusst?

Reeves Gabrels: Sonny Sharrock war ganz wichtig für mich. Und Vernon (Reid) – wir sind ja eine Generation. John McLaughlin ist jemand, mit dem ich mehr und mehr anfangen kann. Und Allan Holdsworth interessierte mich zeitweise sehr. Aber meine Wurzeln liegen eher im Standard 1970er Blues-Rock: Leslie West & Mountain, Clapton bis zu ,Layla‘ und natürlich Jeff Beck. Jimi Hendrix habe ich mir eigentlich erst sehr viel später angehört, wobei er heute derjenige ist, mit dem ich die größte Seelenverwandtschaft spüre. Leider war ich damals zu jung, ihn selbst live zu erleben …

 

Michael Landau über Jimi Hendrix

G&B: Über die Musik deiner Band The Raging Honkies war einmal zu lesen, es sei „Blues with grungy overtones“. Was bedeutet „Grunge“ für Dich?

Michael Landau: Grunge? Das steht meiner Meinung nach für einen dreckigeren, verrückteren Sound. Ich mag Nirvana, aber sie würden mir auch gefallen, wenn sie nicht aus Seattle kämen. (grinst) Aber Jimi Hendrix kam schließlich aus Seattle, also mag ich auch den Seattle-Sound. Soundgarden finde ich gut, Alice in Chains – mir gefallen eine Menge Bands aus dieser Ecke. (lacht) Diese Kinder! Einige von ihnen sind gute Songwriter.

G&B: War Hendrix in seinen Live-Shows nicht vielleicht auch extrem grungy?

Michael Landau: Wenn du ungestimmte Gitarren so bezeichnest, stimmt das. Viele gute Aufnahmen von ihm sind eben im Studio entstanden – live war das schon manchmal eine etwas andere Sache. Als ich zehn oder elf Jahre alt war, und mit der Gitarre anfing, war Hendrix einfach der Größte überhaupt, und seitdem höre ich seine Musik. Aber damals waren auch die Beatles sehr wichtig für mich. Und die Musik mit der man aufwächst, begleitet einen eben ein Leben lang.

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