Effektgerät

Gitarreneffekte anschließen

Direktes Routing

Am einfachsten ist bei Gitarre und Bass die direkte Ansteuerung der Effektgeräte, wobei man das Ausgangskabel des Instruments direkt mit dem Eingang des Effekts verbindet, von dessen Ausgangsbuchse dann ein Kabel zum Eingang des Verstärkers führt. Dabei wird das Effektgerät in den niederpegeligen Signalweg zwischen Instrument und Verstärker eingefügt.

Sollen mehrere Effektgeräte zum Einsatz kommen, werden diese vom Instrumentensignal nacheinander durchlaufen: Der Ausgang von Effekt 1 wird mit dem Eingang von Effekt 2 verbunden, ggf. dessen Ausgang mit dem Eingang von Effekt 3 usw. Weil bei dieser Anschlussart nur der geringe Instrumentenpegel zur Aussteuerung der Effekte Verfügung steht, zudem auch gewisse Anpassungsverhältnisse zwischen Instrument und Effektgeräteeingang kritisch sind, müssen an die Effektgeräte für diese Betriebsart bestimmte Anforderungen gestellt werden.

Direktes Ansteuern mit „passiven“ Instrumenten

Bei tonsignalverarbeitenden Geräten, wozu natürlich auch Effektgeräte zu zählen sind, wird generell ein gewisser Aussteuerungspegel gefordert, damit einerseits nicht unerwünschte Nebengeräusche (Schaltungsrauschen bei zu geringer Signalstärke) überhand nehmen, andererseits aber auch keine Verzerrungen durch Übersteuerung (zu hohe Signalstärke) auftreten. E-Gitarren und E-Bässe arbeiten oft mit passiver Elektronik und liefern nur einen relativ geringen Ausgangspegel, und somit müssen Effekte, die mit diesen Instrumenten direkt angesteuert werden, eine ausreichende Eingangsempfindlichkeit aufweisen, um rauscharm zu funktionieren.

Die üblichen, für Gitarre und Bass ausgelegten Bodeneffekte sind mit entsprechend hoher Eingangsempfindlichkeit ausgestattet. Aber auch die modernen 19″-Effektgeräte, die teils wiederum speziell für die elektrischen Saiteninstrumente vorgesehen sind, teils aber für den allgemeinen Gebrauch im Tonstudio, bieten meist unsymmetrische Klinkeneingänge mit den geforderten Anpassungsdaten, was freilich nicht immer so war. Bis auf einige wenige Studioeffekte aus dem professionellen Bereich, deren Anpassung speziell auf niederohmige, hochpegelige und dann meist auch symmetrische Ansteuerung ausgelegt ist, können also praktisch alle Effektprozessoren auch direkt mit der Gitarre oder dem E-Bass angesteuert werden.

Direktes Ansteuern mit „aktiven“ Instrumenten

Weniger die Gitarren, aber viele moderne E-Bässe sind heutzutage mit einer aktiven Elektronik ausgestattet, welche ein zuweilen pegelstarkes Ausgangssignal bereitstellt, das gegenüber Fehlanpassung und Klangverlusten weitaus unkritischer ist als dies bei rein passiven Instrumenten der Fall ist. Mit einem „aktiven“ Instrument (erkennbar an der Batterie für die Stromversorgung) ist die direkte Effekt-Ansteuerung also unproblematischer.

Freilich gibt es hier dann gelegentlich besonders pegelstarke Aktiv-Instrumente, die den empfindlichen Eingang eines Bodeneffekts übersteuern können, was dann zu hörbaren Verzerrungen führt. Besitzt das jeweilige Effektgerät keine Regelmöglichkeit für die Eingangsempfindlichkeit, kann man den Volumenregler des Instruments etwas zurückdrehen, um die gewünschte, verzerrungsfreie Arbeitsweise des Effekts herzustellen.

Effekte Einschleifen

(bzw. Platzierung des Effekt-Einschleifwegs)

Üblicherweise durchläuft das Instrumentensignal erst die Eingangsstufe und die Klangregelung des Verstärkers, bevor das Signal an die Send-Buchse des Effekt-Einschleifwegs gelangt, wo der Eingang des Effektgeräts angeschlossen wird. Mit den Klangreglern des Amps können dann die Effektsounds beeinflusst werden, ohne dass zusätzliches Rauschen auftritt.

Des Weiteren unterscheidet man serielle und parallele Effekt-Einschleifwege. Während beim seriellen Einschleifen der Signalweg des Verstärkers aufgetrennt wird, bleibt beim parallelen Einschleifweg das Original-Signal unangetastet, was grundsätzlich unterschiedliche Einstellungen der Effekte erfordert.

Serielles Einschleifen

Zur üblichen Ausstattung eines modernen Instrumentenverstärkers gehört mindestens ein Effekt-Einschleifweg, bei dem das Effektgerät seriell in den internen Signalweg des Amps eingeschaltet wird. Das bedeutet, dass das komplette Tonsignal das Effektgerät durchläuft, bevor es wieder von dessen Ausgangsbuchse über den Return-Anschluss in den Amp zurück geleitet und dann weiterverarbeitet wird. Effektgeräte, die an einem seriellen Einschleifweg betrieben werden, müssen die Möglichkeit bieten, den Anteil des „cleanen“ (d.h. unbeeinflussten) Direktsignals zum Effektsignal variieren zu können. Schließlich möchte man beim Einsatz eines Hallgeräts nicht immer nur in Hallorgien schwelgen, sondern den Effekt auch einmal dezenter im Hintergrund einsetzen. Praktisch alle Effektgeräte besitzen dafür einen Mix-Regler, an dem dann der gewünschte Effektanteil justiert werden kann (s.o.).

Als Nachteil des technisch einfachen, seriellen Einschleifwegs ließe sich anführen, dass hier auch das effektfreie Direktsignal einen Teil der Elektronik des Effektgeräts durchlaufen muss. Dies geschieht dann zwar, im gewünschten Anteil, ohne Effektbearbeitung, aber dennoch nicht gänzlich unbeeinflusst. Denn auch im Direktweg des Effektgeräts muss das Signal diverse Schaltungsteile durchlaufen, die potentiell das Klangbild verändern können. Das Ausmaß solcher „Klangverfälschungen“ ist meist gering, kann aber zuweilen auch störend in Erscheinung treten, wenn man z.B. einen besonders hochwertigen Verstärker mit billigen Effektgeräten kombiniert oder viele Effektgeräte hintereinander schaltet.

Parallel-Einschleifweg

Um solche nachteiligen Einflüsse auf das Direktsignal auszuschließen, haben manche Amp-Hersteller den Effekt-Einschleifweg wie bei einem Mischpult ausgeführt. Dabei verbleibt das Direktsignal im Verstärker, es wird nur ein gewisser Anteil des Signals zu den Effekten geschickt, dort bearbeitet und später mit dem Direktsignal im Amp wieder zusammengemischt. Da hier von den Effekten kein unbeeinflusster Direkt-Anteil, sondern nur das pure Effektsignal gefordert wird, müssen diese beim Anschluss an einen Parallel-Effektweg auf 100 % Effektanteil eingestellt werden. Die Mischung zwischen Direkt- und Effektsignal erfolgt dann an einem separaten Regler des Verstärkers, der dann z.B. mit „Effects Bend“, „Wet/Dry“ o.ä. beschriftet ist.

Für manche Effektarten eignet sich das parallele Einschleifen allerdings nicht, womit vor allem Dynamikkompression (Compressor) und Dynamikbegrenzung (Limiter) gemeint sind. Da ja z.B. beim Einsatz eines Limiters unerwünschte Pegelspitzen zuverlässig auf das gewünschte Maß reduziert werden sollen, würde es wenig Sinn machen, den Effekt außer Kraft zu setzen, wenn unbeeinflusste Signalanteile am Dynamikbegrenzer vorbei fließen könnten. Allerdings kann ein paralleler Einschleifweg zu einem seriellen umfunktioniert werden, wenn am Mischpoti das Direktsignal auf null zurückgedreht wird, sodass nur noch das Effektsignal zur Wirkung kommt. In diesem Fall wird bei den üblichen Effekten wie Chorus, Hall, Delay etc. wieder der gewünschte Direkt-Anteil am Effektgerät selbst eingestellt, und in der Effektkette kann dann ein Kompressor wie beim seriellen Effektweg wirkungsvoll betrieben werden.

  • Effekt-Send hinter der Verstärker-Klangregelung
    Da jeder Effektprozessor unweigerlich gewisse unerwünschte Nebengeräusche wie Rauschen produziert (die normalerweise nicht weiter auffallen), könnten diese z.B. durch eine Höhenanhebung an den Klangreglern des Amps hervorgehoben werden. Aus diesem Grund erscheint es sinnvoller, Effektgeräte erst hinter der Klangregelung in den Verstärker einzuschleifen; die meisten Effektwege an Amps sind auch entsprechend geschaltet.
  • Effekt-Send vor der Klangregelung des Amps
    Manche gut ausgestatteten Verstärker bieten Effekt-Einschleifpunkte sowohl vor wie auch hinter dem Amp-EQ, und auch das macht Sinn. Denn z.B. bei einem Dynamikprozessor gilt der vorstehend beschriebene Rausch-Vorteil wiederum nicht, wenn er erst hinter der Klangregelung eingeschliffen wird. Da der Kompressor je nach Einstellung kleine Pegel sehr stark in der Lautstärke „hochzieht“, würde er ggf. auch das geringe Rauschen der Verstärker-Klangregelung stärker herausstellen, was vor allem bei kräftigeren Höhenanhebungen störend sein kann.
    Für alle Arten von Kompressoreffekten, die geringe Pegel hochziehen oder auch solche, die eine starke Höhenanhebung bewirken können (Wah Wah), dürfte das Einschleifen vor der Verstärkerklangregelung vorteilhaft sein, andere Effekte sind besser hinter der Klangregelung aufgehoben. Erweist sich das Einschleifen hinter dem Amp-EQ nebengeräuschmäßig als ungünstig und steht kein Einschleifpunkt vor der Klangregelung zur Verfügung, bleibt der Versuch, die problematischen Effekte zwischen Instrument und Verstärkereingang zu schalten.
  • High-Pass-Effektweg
    Speziell bei Bassverstärkern bietet ein Parallel-Effektweg zuweilen besondere Betriebsmöglichkeiten, die beim seriellen Einschleifen nicht möglich sind. Ausgehend davon, dass manche Effekte für Bass plastischer und eindrucksvoller wirken, wenn sie nicht in den tiefsten Frequenzen „matschen“ und den Druck wegnehmen, sondern nur höhere Frequenzlagen beeinflussen, sind manche Parallel-Effektwege mit einer Bass-Sperre ausgestattet. Den Effektgeräten wird hier über den Send-Ausgang nur ein Signalanteil zugeführt, bei dem die tiefsten Frequenzlagen (unterhalb ca. 300 Hz) fehlen. Vor allem Effekte wie Chorus, Flanger und Nachhall erzeugen dadurch weniger Dröhnen und Wummern in den Tiefen. Erstaunlicherweise wirken solche Effekte dadurch nicht schwächer, sondern durch die Beschränkung auf höhere Frequenzlagen sogar plastischer, weil in den tiefsten Frequenzlagen die meisten Effekte ohnehin nur unerwünschten „Soundmatsch“ ergeben würden.
    Für manche Effekte, wie z.B. Octaver eignet sich ein so genannter „High Pass“-Effektweg dennoch nicht, weil sich hier die Effektbearbeitung ja gerade im Bassbereich abspielen soll.
  • Master-Effektweg
    In aller Regel besitzen moderne Instrumentenverstärker spezielle DI-Ausgänge, aus denen dann bei Auftritten eine Saalbeschallungsanlage (PA) mit dem Instrumentensignal versorgt werden kann. Und normalerweise möchte der Musiker, der seinen Sound mit Effektgeräten kreiert, diese Klangeffekte auch über die Beschallungsanlage wiedergegeben wissen. Somit ist es sinnvoll, dass im DI-Ausgangssignal des Verstärkers auch eingeschliffene Effekte präsent sind. Das heißt nichts anderes, als dass der DI-Signalabzweig im Amp schaltungstechnisch hinter dem Effekt-Einschleifweg liegen muss, was bei den allermeisten Verstärkern heutzutage auch der Fall ist.
    Es gibt aber auch Spezialfälle, wo es nicht erwünscht ist, dass das Instrumentensignal mit den (auf der Bühne) verwendeten Effekten zum PA-Mixer gelangen soll. Manchmal ist es halt sinnvoller, wenn das Personal am Mischpult den Gitarren- oder Bass-Sound mit den erwünschten Effekten für die PA-Wiedergabe versieht. Oder es handelt sich bei dem auf der Bühne verwendeten „Effekt“ nur um einen zusätzlichen Equalizer, der ausschließlich die Hörbarkeit des Instruments auf der Bühne verbessern soll.
    Für solche Fälle bieten gut ausgestattete Amps einen Umschalter, mit dem man den DI-Abzweig wahlweise vor („Pre“) EQ und Einschleifweg des Amps oder dahinter („Post“) schalten kann. In der „Pre“-Einstellung bietet der Amp dem PA-Mixer dann also ein effektfreies Signal an, auch wenn auf der Bühne tatsächlich Effekte verwendet werden. Verstärker ohne solchen Umschalter bieten manchmal ersatzweise einen seriellen Master-Einschleifweg, bei dem die Effekte zwischen Vor- und Endstufe des Verstärkers eingefügt werden. Da dieser Master-Weg jenseits des DI-Abzweigs hinter dem Master-Volumenpoti der Verstärkervorstufe liegt, werden hier eingeschliffene Effekte zwar in der Amp-Wiedergabe wirksam, aber nicht im DI-Ausgangssignal. Die übliche Beschriftung eines solchen Master-Einschleifwegs lautet „Preamp Out“ für die Send-Buchse und „Poweramp In“ für die Return-Buchse.

 

Effekt-Ketten und -Management

Gitarristen und Bassisten verwenden häufig nicht nur ein Effektgerät, sondern kombinieren mehrere Effektsounds, wobei oft ansehnliche Gerätesammlungen zum Einsatz kommen, es sei denn, man benutzt ein Multieffektgerät.
Um dem Signal bei solchen Einzeleffektketten ein nachteiliges Durchlaufen aller Effekte zu ersparen, bieten diverse Hersteller so genannte Looper an, die das Tonsignal jeweils nur zu dem Effektgerät leiten, welches gerade benutzt werden soll. Über fernbediente Relais werden dann nur die Effekte seriell in den Signalweg eingeschaltet, die auch tatsächlich benutzt werden sollen, allen übrigen wird kein Tonsignal zugeführt.

Wer ein modernes Multieffektgerät benutzt, genießt ohnehin diesen Komfort, aber wenn aus irgendwelchen Gründen mit diversen Einzelgeräten gearbeitet werden soll, erleichtert ein Looper nicht nur die Effektwahl, sondern kann auch die Klangqualität verbessern.

 

Stereo-Effekte

Anders als in der Studiotechnik spielen stereophone Effektgeräte beim Instrumenteneinsatz nicht so eine gewichtige Rolle. Das hat weniger mit Klanggründen zu tun, als vielmehr mit dem vergrößerten Aufwand bei der Verstärkeranlage, die dann ja auch stereophon ausgeführt sein muss. Wo man Gitarre (und manchmal auch Bass) beim Homerecording oder im Studio wie selbstverständlich mit Stereo-Effekten aufnimmt, schleppt man zum Auftritt nur ungern eine zweite Verstärkeranlage mit.

Wer aber auch live den Stereo-Aufwand betreiben möchte, braucht bei PA-Benutzung zwei Mischpult-Kanäle und bei der eigenen Anlage ggf. zwei DI-Ausgänge bzw. zwei Abnahmemikros. Für Bassisten sind stereophon ausgelegte Preamps und Vollverstärker im Angebot. Selbstverständlich macht es bei dauerhaftem Stereo-Betrieb der Gitarre Sinn, die benötigte Zweikanal-Wiedergabeanlage aus separaten Bausteinen wie Preamp und Stereoendstufe aufzubauen, wo das Stereo-Effektgerät dann zwischen Preamp und Stereoendstufe eingefügt wird.

Einen Stereo-Effekt mit zwei Verstärkern benutzen

Wenn einer der beiden Verstärker einen Effekt-Einschleifweg besitzt, könnte man hier das Stereo-Effektgerät einschleifen, führt aber nur einen Ausgangskanal zur Return-Buchse dieses Amps zurück. Das zweite Effekt-Ausgangskabel wird dann mit dem Eingang oder, falls vorhanden, mit der Return-Buchse des zweiten Amps verbunden. Belegt man beim zweiten Verstärker die Return-Buchse als Eingang, wird dessen Vorstufe nicht benutzt, was die Bedienung der Gesamtanlage vereinfacht.

Das monophone Gitarrensignal wird nur von der Vorstufe des ersten Amps bearbeitet und dann monophon ins Effektgerät geleitet, welches daraus einen Stereoeffekt erzeugt, dessen L- und R-Ausgangssignal via Return-Eingang auf die beiden Master-Sektionen der Gitarrenamps geleitet wird. Lästig könnte freilich sein, dass man so immer noch zwei Mastervolumenregler zu bedienen hat. Die Lautstärkeeinstellung geschieht deshalb sinnvollerweise am Masterregler des Effektgeräts (falls vorhanden) oder am Gain-Poti der Vorstufe von Verstärker 1.

Gitarreneffekte im Computer

Auch Gitarristen und Bassisten kommen seit geraumer Zeit in den Genuss von Software-basierten Effekt-Setups. Neben einem Computer – hier bietet sich ein ausreichend leistungsstarker Laptop besonders an – wird nur noch eine Audiokarte benötigt, um die Signale in den Computer und wieder hinaus zu senden. Einige Hersteller bieten sehr leistungsfähige Gitarreneffekt-Software an, die den gleichzeitigen Betrieb von zahlreichen Effekt Plug-Ins ermöglicht. Das Routing innerhalb dieser Software entspricht weitgehend dem eines „echten“ Gitarreneffekt-Setups.

Neben den typischen Gitarreneffekten werden hier auch überzeugende Verstärker- und Lautsprecheremulationen (Amp- und Speaker-Simulation) geboten. Eine solche Software lässt sich im Stand-alone-Betrieb oder als Plug-In innerhalb einer Recording-Software nutzen. Einige Hersteller liefern eine geeignete Audiokarte zusammen mit der Software. Bekannteste Vertreter auf dem Markt sind Native Instruments Guitar Rig, IK Multimedia Amplitube, Waves GTR und Line6 Pod Farm.