Volles Basspfund

Z.Vex Basstortion im Test

Bass-Distortion-Pedal von Z.Vex
Dieter Stork

 

Wenn sich Zachary Vex um die Bass-Verzerrung kümmert, muss man mit dem Schlimmsten rechnen. Was ja in der Zerrwelt nur Gutes verheißen kann.

 

 

Das Testpedal stammt aus der Vexter-Serie und besitzt im Gegensatz zu den handbemalten Z.Vex-Effekten ein „handbedrucktes“ Gehäuse, was die Sache etwas preisgünstiger macht. Wie gewohnt hat das Pedal ein trittfestes Alugussgehäuse, Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang sowie einen Netzteilanschluss, dessen Minusanschluss nach verbreiteter Boss-Manier auf dem Mittelpin liegt. Innen ist Platz für einen 9-Volt-Block, der aufgrund der maßvollen Stromaufnahme von ca. 2 mA für 250 Spielstunden ausreichen wird. An Reglern ist das Minimalbesteck vorhanden: Drive, Tone und Volume, zusätzlich ein kleiner Kippschalter, der mit Bright und Dark beschriftet ist. Der Fußschalter ist als True Bypass verdrahtet und schaltet bei Nichtbenutzung des Effekts das Eingangssignal unbelastet direkt zum Ausgang durch. Eine rote LED in der rechten oberen Ecke signalisiert den Schaltstatus.

Auf einer kleinen, hochkant stehenden Platine ist die diskrete Schaltung mit drei Transistoren aufgebaut, die ohne OpAmps auskommt. Dass der Drive-Regler beim Durchdrehen kratzt, ist laut Hersteller normal und deutet darauf hin, dass hier über eine Gleichspannung wohl der Arbeitspunkt des Eingangstransistors verschoben wird, um den Zerrgrad zu regulieren. Der Netzteileingang ist mit einer Schutzdiode gegen versehentlich verpolte Speisespannungen gesichert.

 

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Dieter Stork

 

Das Z.Vex Basstortion in der Praxis

Nach Angaben des Herstellers beginnt jede Diskussion um heiß angezerrte Bass-Sounds mit dem Ampeg-SVT-Röhrentop und endet auch dort. Das ist eine erstaunlich konservative Einstellung, wenn man manche anderen Effekte dieser Marke kennt. Aber eine Ansage, was man vom Basstortion erwarten darf. Tatsächlich klingt der Basstortion mehr nach fettem Amp als nach Effektpedal, was vor allem auf die bassige Größe der Tondarstellung zurückgeht.

Viele Bass-Zerrer sägen von vornherein zu stark drauflos und mischen dann das cleane Basssignal hinzu, damit der Druck stimmt. Der Basstortion funktioniert anders und simuliert die Eingangsstufe eines Röhrenverstärkers, die mit zunehmender Aussteuerung feinfühlig und komplex das Klangverhalten ändert. Mit einem nicht allzu pegelstarken Jazz Bass angespielt, beginnt der einstellbare Drive damit den Ton warm und wollig zu präsentieren, wobei auch eine röhrentypische Kompression bereits deutlich wahrnehmbar ist.

Bei höherem Drive nimmt nicht nur die Anzerrung zu, auch der Klang verändert sich und arbeitet zunehmend kernig-satten Growl heraus – diese tiefmittigen Komponenten sorgen effizient dafür, dass der Basston nicht diffus wird, sondern ganz im Gegenteil deutlich kräftiger zupackt. Die Einstellskala endet mit brutal grobkörniger Distortion, deren harmonisches Obertonspektrum nach wie vor verblüffend dem fetzigen Verhalten eines Röhren-Amps gleicht, ohne dass in irgendeiner Weise die Basspower auf der Strecke bleibt.

Am Tone-Regler lassen sich die Zerrprodukte feinfühlig abmildern oder die Kanten aggressiv nachschärfen, durch den weiten Einstellbereich ergeben sich ausgesprochen viele Effektcharaktere, der Bright/Dark-Schalter sorgt dabei nochmals für einen erweiterten Umfang.

Die Nachbildung der komplexen Reaktionen eines Röhren-Amps auf verschieden starke Übersteuerungen gelingt dem Z.Vex Basstortion in hervorragender Weise, und was Bassisten außerdem begeistern wird, ist die bassig-satte Kraftfülle aller Sounds! Ganz ohne Nebengeräusche geht das nicht ab, aber auch ein echter Röhrenverstärker arbeitet ja nicht mucksmäuschenstill.

 

Resümee

In dieser Güte und Authentizität hat es noch kein Bassverzerrer geschafft, das komplexe Verhalten eines fetten Röhren-Amps nachzubilden. Vom wollig und dezent komprimierten Grund-Sound über tiefmittig zupackenden Growl bis hin zum grobfetzigen Brutalton liefert der Basstortion ein beeindruckendes Spektrum, wobei in allen Einstellungen die bassgerechte Fundiertheit und Power keinesfalls leidet, ja sogar gestärkt aus der Zerrbehandlung hervorgeht. Von den üblichen Bass-Pedalen setzt sich das Z.Vex-Gerät so deutlich ab, dass zumindest nach dem Antesten der Preis niemanden schrecken wird.

Vertrieb: Cotton Musical Supply

61440 Oberursel, www.cms-music.net

Preis: ca. € 245

 

Plus

  • komplexe Klangveränderung je nach Drive-Einstellung
  • weiter Einstellbereich authentisch wirkende Röhrenverstärker-Sounds
  • volle Bass-Stärke auch bei hoch eingestelltem Drive
  • wirksame Klangregelung

 

Minus

  • schaltungsbedingt kratzender Drive-Regler
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