Die Ausserirdischen kommen

Warwick The Alien 6, Alien Deluxe 6 & Alien Standard 6 im Test

Sechs Saiten auf dem Akustikbass, das ist eine Anforderung. Der will Warwick in drei Klassen gerecht werden, vom The Alien als Top-Modell über die RockBass-Varianten Deluxe und Standard. Wo die Unterschiede liegen, klären wir jetzt.

Warwick The Alien 6, Alien Deluxe 6 & Alien Standard 6
Dieter Stork

Schließlich ist der Preissprung von fast einem Tausender zwischen der günstigsten und der teuersten Modellvariante keine Kleinigkeit, zumal es sich bei den neuen Akustik-Sechssaitern ja auch um ziemliche Exoten handelt, die man nicht an jeder Ecke in die Finger bekommt. Interessant sind sie vor allem für anspruchsvolle Spieler, die nicht vor komplexem Stoff und Akkorden auf dem Bass zurückschrecken und dabei am schönen Ton feilen wollen.

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Geschwister können teilen

Trotz der unterschiedlichen Preise haben die drei Alien-Geschwister ziemlich viel gemeinsam, und das an entscheidenden Stellen. So besitzen alle drei einen eingeleimten Hals aus Mahagoni und Schwing decken aus laminiertem Fichtenholz, gleiche Korpusgröße und Mensur, auch die gekapselten Präzisions-Tuner gehören dazu und sogar die Fishman-Tonabnehmer mit aufwendigem Preamp. Qualität und Wertigkeit steht also bei allen dreien nicht in Frage, natürlich bekommt man trotzdem einen seriösen Mehrwert geboten, wenn man mehr ausgibt.

Nicht, dass der RB Alien Standard irgendwie billig aussehen würde (er ist es ja auch nicht), der Hochglanzlack präsentiert die Holzkonstruktion lecker, bis auf die Vorderseite des Griffbretts ist hier alles satt glänzend eingehüllt. Die Decke aus Fichtenlaminat zeigt ein gerades, gleichmäßiges Maserungsbild, während Boden und Zarge laut Warwick-Specs aus dem eher unscheinbaren Agathis gebaut sind, welches unter deckendem Schwarz verschwindet. Für den Blick durchs Schallloch hat man dem Boden offenbar eine innere Deckschicht aus Fichte gegönnt. Edler kommt sofort der Deluxe durch seinen auffällig gemaserten Bubinga-Body rüber, auch findet man beim Deluxe zwei verschiedene Oberflächen, Hochglanz beim Korpus, griffiges Seidenmatt beim Hals. Nochmals gediegener präsentiert sich The Alien mit Ovangkol-Zarge und -Boden, ganz in noblem Seidenmatt mit wirklich perfektem Finish.

Um sich von den RockBass-Geschwistern zusätzlich abzusetzen, besitzt er am Cutaway ein spitzes Horn, eine erhabene Ebenholz-Einfassung für das Schallloch und eine lange Daumenstütze aus dem gleichen Material. Den einstreifigen Mahagonihals mit 24 Jumbobünden und höhenjustierbarem Sattel haben die Aliens gemein, wenn auch in unterschiedlichen Finishes mit unterschiedlich gefühlter Nähe zum Holz. Und bis auf die Korpus-Schichthölzer unterscheiden sich die beiden RockBässe auch sonst nicht weiter voneinander. Wohl aber The Alien, der mit extraharten Bünden aus Bronze statt Neusilber bestückt ist, statt eines Palisander- ein Wengegriffbrett besitzt und am Palisandersteg zusätzliche Masse durch den eingesenkten Guss-Saitenhalter ins Spiel bringt.

Geschickt verteilen die Geschwister untereinander die Qualitäten, sodass es auch gerecht zugeht im Hinblick auf den unterschiedlichen Preis. Umso erstaunlicher ist die gleichwertige Bestückung, was die Elektro-Ausstattung angeht. Unter der Knocheneinlage im Steg tastet jeweils ein Fishman-Piezo die Saitenschwingungen ab und übermittelt das Signal an den bestens ausgestatteten Prefix Plus-T Preamp, der außer dem Vierband-EQ mit durchstimmbarem Contour-Bereich noch ein Notch-Filter zum Dämpfen von Rückkopplungsfrequenzen, einen Phasenschalter sowie ein zuschaltbares Stimmgerät (autochromatisch, funktioniert einwandrei) bietet.

 

Btw: Schichtholz ist Schichtholz … sollte man meinen – und was den Vorteil der Robustheit und Unempfindlichkeit gegenüber klimatischen Einflüssen angeht, mag das auch weitgehend stimmen. Aber selbstverständlich spielt es für den Sound dennoch eine Rolle, was hier schichtweise aufeinander geleimt wird; denn beim steifen Laminat gehen die ursprünglichen Klangpräferenzen der jeweiligen Holzarten ja nicht ganz verloren. Etwas weniger Individualcharakter ist freilich zu erwarten, was man jedoch auch positiv als klangliche Gleichmäßigkeit bezeichnen kann.

Die unterschiedlichen Hölzer für Zarge und Boden tragen viel zum Klangcharakter bei.
Dieter Stork
Die unterschiedlichen Hölzer für Zarge und Boden tragen viel zum Klangcharakter bei.

 

Body, Tiefe und Details

Gleiche Elektronik bietet natürlich günstige Bedingungen für einen fairen Vergleich, wie stark der Klang der verschiedenen Hölzer sich denn bemerkbar machen wird. Doch zunächst sind Unterschiede schon rein akustisch unüberhörbar. Klar, dass ein Sixstring mit tiefschnurrender H-Saite kein Lautstärkewunder sein kann, wobei das Schallloch in der oberen Korpusschulter auch günstig in Ohrnähe platziert wurde. Aber schon der Standard-RockBass leistet ohne elektrische Verstärkung erstaunliche Breitbandigkeit, die dynamikfeste H-Saite erlaubt es, viel davon auszugleichen, was eine Akustikkonstruktion dieser Größe nicht von sich aus lauter bringen kann.

Der Alien Standard liefert einen klar-konkreten Ton und kommt mit der Bronzesaiten-Bestückung von .025″ bis .135″ rund und stimmig rüber. Der klangliche Sprung zum Deluxe-Modell fällt bei gleicher Besaitung unerwartet deutlich aus und repräsentiert tatsächlich typische Bubinga-Eigenschaften, denn hier zeigen sich Höhen und Attack offensiv zugespitzt. Das lädt einerseits zu dreisterem Spiel ein, andererseits liefert der Deluxe-Ton aber auch ein Plus an räumlicher Tiefe für den filigranen Ausdruck. Zum Spitzenmodell erscheint der Unterschied dann zunächst beinahe gering, denn The Alien zeigt ähnlich explizite Lebendigkeit in den Höhen wie der Deluxe-RockBass.

Doch beim feineren Reinhören festigt das Spitzenmodell die holzigen Mitten im Gesamtbild und liefert im Vergleich die feinsten Klangdetails und luftigste Räumlichkeit. The Alien ist also der gepflegte Solistenbass, während der RB Standard dem dienlichen Spieler entgegenkommt und der Deluxe die Offensiv-Rolle ausfüllt. Auch in der elektrischen Übertragung kommen die verschiedenen Charaktere merklich zur Geltung, wenn auch durch die umfangreichen Manipulationsmöglichkeiten einiges angeglichen werden kann.

Was allerdings kein Regler erfasst, ist die Feinheit des Tons, und die steigert sich klar mit dem Modellrang. Wieder ist der RB Standard im Vergleich der geradlinige Mainstram-Player, der Deluxe legt einige Frechheiten in den Präsenzen und direktere Ansprache drauf, The Alien liefert bei ebenfalls lebendigem Ton die kultiviertesten Nuancen.

Umfangreiche Einstellmöglichkeiten stehen bei allen Modellen gleichermaßen bereit.
Dieter Stork
Umfangreiche Einstellmöglichkeiten stehen bei allen Modellen gleichermaßen bereit.

 

Alternativen

Sechssaitige Akustikbässe sind eine Rarität, wobei man sich natürlich bei einigen Instrumentenbauern, die in der A-Disziplin kompetent sind, Sonderanfertigungen bestellen kann. Ob das dann allerdings zum Preis der Serieninstrumente von Warwick zu leisten ist, steht auf einem anderen Blatt. Zunächst beleben die drei Geschwister mit dem W-Logo die sechssaitige Landschaft und liefern seriöse Qualitäten im Preisbereich zwischen knapp zwei und fast dreitausend Euro. Lefthand-Spieler werden immerhin mit einem Deluxe-Modell ohne Aufpreis bedient.

 

Resümee

Auf den ersten Blick sehen die drei Sixstring-Aliens gar nicht so verschieden aus, wie sie klingen. In wesentlichen Baudetails und wichtigen Teilen der Ausstattung hat Warwick allen drei Sechssaitern Augenhöhe geschenkt, daraus aber durch einige Details klar unterscheidbare Charaktere geschaffen, die auch dem Preisniveau entsprechen. Hut ab, auf den Alien-Sixstrings können sich verschiedene Spielertypen anspruchsvoll verwirklichen.

 

Plus

  • Klangverhalten, verschiedene Charaktere der Modelle
  • Elektroklang, Einstellmöglichkeiten
  • Spielbarkeit
  • Verarbeitung, Ausstattung

Minus

  • hoher Preisabstand zu 4- und 5-string

 

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