Alles auf einmal

TiefTöner Prinz im Test

Frank Behrend hat sich viel vorgenommen, denn er möchte mit einem unverwechselbaren Design vorzügliche Spielbarkeit für alle Stile vereinen, zugleich die markante Durchsetzungskraft der großen E-Bass-Klassiker liefern und alles andere verbessern. Am Ende soll sein Prinz noch besonders unkompliziert im praktischen Einsatz sein und das Bühnenbild bereichern.

Marlon Stork

Für solche Pläne braucht man ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, und ein Hingucker ist sein tropfenförmiger Fünfsaiter ganz gewiss. Ursprünglich hatte der Bass übrigens einen anderen Namen, der sich freilich als nicht ganz mehrheitsfähig erwies, im Gegensatz zu den angestrebten Eigenschaften des Instruments. Und so wurde aus dem Wollusttropfen nun ein Prinz, wobei die Nähe zu einem innovationsmutigen, leider viel zu früh verstorbenen Künstler nicht zufällig gewählt ist.

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Zu den traditionellen Elementen gehört zwar die Kombination von Ahornhals und Esche-Body, allerdings in aufgepeppter Konstruktionsweise. Der Hals ist dreistreifig gebaut und in den zweiteiligen Esche-Body eingeleimt, wobei das Singlecut- Design den Hals bereits ab der 14. Lage wirksam stützt und versteift. Im Griffbrett aus Ebenholz sitzen 24 Jumbobünde, wobei die Tropfenform freien Zugang bis zum letzten Bundstäbchen gewährleistet. Am Gurt hängt der gewichtige Prinz vollkommen ausbalanciert und bietet am Korpusrund sogar zwei Aufhängungspunkte; damit sich die Form auch im Sitzen spielen lässt, ist allerdings ein spezielles Ausstattungsdetail notwendig.

In der Korpusrückseite sitzt ein versenktes Rändelrad, mit dem sich die eingebaute Sitzstütze ausfahren und arretieren lässt. Der kurze Metallstab hält das Instrument dann tatsächlich auf dem Oberschenkel, was sich allerdings nicht sonderlich angenehm anfühlt. Ausgesprochen entgegenkommend ist freilich die allgemeine Spielbarkeit des Fünfsaiters, wobei die tiefsten Lagen angenehm nahe und entsprechend entspannt erreichbar sind. Klanglich präsentiert sich das 4,8-Kilo-Schwergewicht sehr souverän, entwickelt pfundige Schwingfreude mit langem Sustain und spricht betont präzise an. Dabei hilft der potenten Holzkonstruktion auch der massige ETS-Steg, und der fette Delano-Humbucker setzt die intensiven Saitenschwingungen kraftvoll in Szene.

Marlon Stork
Durch eine Vierteldrehung am versenken Rändelrad lässt sich die Beinstütze lösen oder arretieren.

Die angepeilten traditionellen Stärken präsentiert der Prinz allerdings sehr modern und breitbandig, vom druckvollen, festen Tiefbass bis in perlige Brillanzspitzen zeigt der Fivestring seine offensive Note. Natürlich lässt sich das Klangergebnis mithilfe des praxisgerecht abgestimmten Dreiband- EQs nach Bedarf in jede Richtung modellieren, der Zugschalter im Volume-Poti stellt zudem die serielle und parallele Verdrahtung der Humbucker-Spulen zur Wahl. Wer hier lieber zwischen Aktiv und Passiv umschalten möchte, kann dies natürlich auch bekommen.

Einen besonderen Praxisbezug hat die mitgelieferte Diebstahlsicherung, für die im Bass eine metallene Kupplung eingebaut ist. Die Sicherung geschieht durch ein Drahtseil (wahlweise mit Zahlenschloss oder Schlüssel), welches in unbeaufsichtigten Spielpausen z. B. um einem Boxengriff oder Heizkörper geschlungen wird, damit Langfinger zumindest nicht auf die Schnelle erfolgreich sind.

Resümee

Das markante Design wird diesem Singlecut-Tropfen Aufmerksamkeit garantieren, und zumindest am Gurt erweist sich der TiefTöner als ausgesprochen unkomplizierter, entgegenkommender Player. Klanglich punktet der hochwertig ausgestattete Fivestring mit Variabilität auf einer souverän schwingfreudigen, zeitgemäß präzisen Basis – damit löst der Instrumentenbauer etliche Versprechen überzeugend ein.

Plus

  • Klangverhalten, Sounds
  • Spielbarkeit am Gurt
  • Verarbeitung
  • Ausstattung

Minus

  • unbequeme Beinstütze
  • Gewicht

Aus Gitarre & Bass 02/2017

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