Finito, Ende, aus die Maus - schön war's!

Holy Grail Guitar Show 2015 – Part 4

Wer nach Part 1, 2, und 3 immer noch nicht genug von schönen, extravaganten und einzigartigen Gitarren hat, bekommt im letzten Teil unserer Holy-Grail-Guitar-Show-Reportage den Rest. Wir hatten großen Spaß auf der Show und freuen uns schon auf’s nächste Jahr!

 

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In einer Aufsehen erregenden Präsentation stellte sich das Leonardo Guitar Research Project vor, dessen Ziel es ist, Gitarrenbau ohne die Verwendung tropischer Hölzer zu ermöglichen und die Gitarrenbauer bei der Suche nach Alternativen zu unterstützen. Denn die meisten tropischen und exotischen Tonhölzer stehen bereits oder bald unter Artenschutz. Was heißt, dass sie zum Teil gar nicht mehr, zum Teil nur noch begrenzt zur Verfügung stehen. Das LGR-Projekt hat ein Programm entwickelt, bei dem in Zusammenarbeit mit drei Gitarrenbauschulen und vier Gitarrenbauern Gitarren aus regionalen, nichttropischen Hölzern gebaut werden, um zu zeigen, welche Hölzer als Alternative zu den tropische zu empfehlen sind. Auf der Holy Grail Guitar Show waren zwei identische Gitarren zu sehen – die eine unter Verwendung tropischer, die andere aus regional erhältlichen Hölzern gebaut. Und beide klangen gleich gut und hochwertig. Man kann nur hoffen, dass die Kundschaft der Gitarrenbauer genauso offen mit diesem Thema umgehen, wie die Gitarrenbauer selbst. Denn viele von ihnen suchen schon längst nach Alternativen, und nicht wenige bauen schon, so oft es ihnen möglich ist, mit regionalem Holz. So geht Zukunft!

 

Ganz in der Tradition des italienischen Gitarrenbaus steht Di Donato Guitars. Ungewöhnlich, verspielt, ohne Grenzen designed Enrico Di Donato seine kunstvollen Kreationen, die nicht nur den Autor dieser Zeilen an die legendären Gitarren von Wandré erinnern. Auf einem Bild sehen wir ein Donato- neben einem Wandré-Modell, und da ist durchaus die gleiche Sprache zu erkennen.

 

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Und wenn wir schon bei Wandré sind, dann darf natürlich nicht das EGB Historical Project fehlen, mit dem der Verein der European Guitar Builder in diesem Jahr Marco Ballestri auszeichnete. Der Chirurg Ballestri hat sich dem Leben von Antonio Pioli gewidmet, der in der Gitarren-, aber auch in die Kunstgeschichte Italiens nur als Wandré bekannt ist. Neben einer großen Wandré-Ausstellung, die Ballestri 2014 organisiert hatte, ist vor allem sein aufwendiges Buch zu erwähnen, das die ungewöhnliche Lebensgeschichte von Wandré erzählt – vom Partisan zum lebenden Gesamtkunstwerk. Sehr zu empfehlen! Schön, dass Ballestri auch einige historische Wandré-Instrumente mitgebracht hatte.

 

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Schon mal was von der Leutheuser-Scharrenberger-Phobie gehört? Lange Doppelnamen und so, kaum unfallfrei zu schreiben? Die Steigerung davon bietet das Gitarrenbauer-Duo von Amfisound Guitars aus Finnland, denn das sind Sampo Leppävuori & Tomi Korkalainen… uff! Amfisound bauen an bekannte Designs angelehnte Instrumente, sind in Finnland aber auch für ihre extremen Metal-Gitarren bekannt, die sie speziell auf die Bedürfnisse der Gitarristen dieses Genre zuschneiden.

 

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Schon mal auf einer 12-saitigen Fretless-E-Gitarre gespielt? Ich nicht – wo denn auch? Klar, auch solche wunderbaren Exoten finden auf der Holy Grail Guitar Show ihren berechtigen Platz. Verantwortlich für dieses Instrument, das eine Kreuzung aus einer Oud und einer E-Gitarre darstellt und auf den Namen Byblos hört, ist der französische Gitarrenbauer Pierre-Marie Chateauneuf und seine Firma PMC Guitars. Aber keine Sorge, Pierre-Marie baut auch normale, natürlich richtig gute, eigenständige Gitarren!

 

Schwarz Custom Guitars, die sich vor allem mit eigenen Versionen bekannter Designs positioniert, zeigte in Berlin aber auch ein interessantes eigenes Design, das Gerhard Schwarz Supercharger getauft hat und das es in Solidbody- und Singlecoil-Versionen gibt. Sehr gelungen!

 

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Der Vizepräsident des EGB e.V., der Ausrichter der Holy Grail Guitar Show, Juha Ruokangas und seine Firma Ruokangas Guitars zeigten prächtige Varianten ihrer Standard-Modelle wie Unicorn, VSOP, Mojo etc.. Auffällig: Eine blaue Mojo Thinline, die von Juhas Tochter bemalt worden war.

 

Danou Guitars kommen aus der Schweiz, Gitarrenbauer Daniel Meier kann nicht nur mit elegant aussehenden Konzepten mit hervorragenden Sounds überzeugen, sondern verwendet beim Bau seiner Instrumente vorwiegend regionale Hölzer. Und folgt damit einem der Trends, die auf dieser Holy Grail Guitar Show bei erstaunlich vielen Gitarrenbauern zu sehen war.

 

Nik Huber Guitars zeigten bekannte Modelle wie die Krautster (mit Lollar Goldfoil-Pickup am Hals), Orca, Rietbergen und eine Dolphin-Variante, die dem Autor wegen ihres prächtigen, leicht mattierten Sunbursts im Kopf hängen geblieben ist. Die höchste Qualität und die Modellpolitik, die die Rodgauer Gitarrenbauer um Nik Huber bieten, sind über die Jahre äußerst konstant, die Firma hat sich auch international längst etabliert. Und: Nik Huber Guitars gibt es bereits seit 19 Jahren! Das heißt, man darf sich für 2016 schon auf rauschende 20-Jahre-Feiern freuen…

 

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Und noch ein Jubiläum – und zwar 20 Jahre Birdfish!!! Das legendäre Gitarrenmodell, das wie kein zweites Industrie-Design und Instrumentenbau vereint, ist das Lieblings-Objekt vieler Gitarren- und Kunst-Sammler. Aber auch so unterschiedliche Gitarristen wie Kirk Hemmet von Metallica oder Billy F. Gibbons sind begeisterte Birdfish-User. Ulrich Teuffel präsentierte ein Original von 1995 und das speziell für das Jubiläum gebaute 2015er vergoldete Modell nebeneinander. Auch wenn das aktuelle Modell an vielen Stellen etwas ausgefeilter und “runder” daher kommt, versprühte gerade das alte Modell eine große Faszination, denn damit begann schließlich eine große Erfolgsgeschichte. Auch wir gratulieren dem Birdfish-Erfinder Urich Teuffel zu diesem großen und für immer zeitlosen Wurf!

 

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Tausch Free Spirit – und im Hintergrund erkennen wir Ken Parker, einer bekennender Freigeist der Gitarrenbauer-Szene

 

Rainer Tausch von Tausch Electric Guitars hat sich auf längere Mensuren spezialisiert – und benennt seine Modelle konsequent nach der Millimeter-Anzahl. Wie z. B. die abgebildete die Gitarre, eine 665 – T-style inspiriert mit zwei P-90s, einem Humbucker und eben mit einer 665-mm-Mensur. Auffälligstes Modell war jedoch die Free Spirit, die Tausch selbst mit hippie-esken Motiven á la The Fool (englisches Maler-Duo aus den 60-er und 70-er Jahren, die Instrumente, Autos, Hauswände von Kunden wie John Lennon, Eric Clapton, George Harrison und anderen bearbeitet hatte)  bemalte. Sehr gelungen!

 

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Foto: vintageandrare.com

 

Christian Stoll hatte diesmal nicht wie sonst den größten Akustik-Bass der Show – da hat ihn diesmal die franzsösische Firma Guitare & Cie Stepinhut zumindest in der Länge übertrumpft. Was aber gar nichts macht, den Stoll hat natürlich mehr zu bieten als seinen schon legendären Akustik-Bassbomber. Z. B. neu im Programm: Eine siebensaitige Nylonstring mit Fanned-Griffbrett. Überhaupt scheint ihm die aufgefächerte Bundierung sehr gelegen zu kommen, um das Tiefton-Potential seiner akustischen Instrumente entsprechend zu Geltung bringen zu können. Denn die Mehrzahl seiner Ausstellungsstücke waren damit ausgestattet.

 

Steinbrecher Guitars

Steinbrecher Guitars aus Dresden, noch eine One-Man-Firma in Person von Jan Steinbrecher, präsentierte vor allem ihr aktuelles Modell Stromer in fünf verschiedenen Varianten. Die Modelle, die ein bisschen T-style mit dem Schick des frühen Rickenbacker-Schwungs zu einem eigenen, sehr ansprechenden Design verschmelzen, sind hervorragend verarbeitet und versprechen einen schwungvollen Gitarren-Ton! So interessant wir ihr Design sind auch ihre Features: Gebaut aus luftgetrockneter, deutscher Wildkirsche (Body), luftgetocknetem, deutschem Ahorn (Hals) mit Padouk-Zwischenlagen zur Versteifung, bis auf die Mechaniken kein Hardware-Teil von der Stange (z. B. handgegossene Drehknöpfe, gravierte Halsplatte, selbstgefertigte 100% kompensierte Saitenreiter aus Neusilber und das erste Locking-System für Ashtrays (gegen das Verrutschen im Astray und für mehr Sustain). Als Pickups werden LeoSounds verwendet.

 

Wie immer eine Klasse für sich: Jens Ritter Instruments! Ob die in Brokat gewandete Blue Dragon, ob der für Phil Lesh von Grateful Dead gebaute Bass Eye of Horus, ob der neue, steil himmelwärts gerichtet präsentierte Sting Bass, ob die First Rose genannte Gitarre – jedes Ritter-Design ist schlicht und einfach tolle Instrumentenbau-Kunst.

 

Sie wollten eins ihrer Modelle vor allem dem Element widmen, aus dem auch ihre Instrumente bestehen: Dem Holz. Und haben dazu einen Bass gebaut, der nur aus einem hölzernen Rahmenmuster besteht und dennoch alles andere als luftig klingt. Die Rede ist von Jacco Stuitje & Ferdinand Rikkers, die in den Niederlanden gemeinsam die Firma Rikkers Guitars betreiben und dort ihrer Leidenschaft für Holz ungezügelt frönen. Kein Lack verdeckt dort Maserungen, kein Pickguard sperrt den Blick auf das Holz.

 

Eine Firma mit Namen Ramos Guitars kommt natürlich Spanien! Jose Ramos Martinez hat seine Firma im Nordosten Spaniens direkt am Mittelmeer angesiedelt und baut dort seine hochwertigen E-Gitarren und E-Bässe. Wie bei vielen anderen war auch bei Ramos der Einsatz eines Fanned-fret-Griffbretts zu sehen. Außerdem scheint Jose eine Vorliebe für Spione zu haben…

 

Torsten Preuß von PreussGuitars aus Markneukirchen ist einer der zahlreichen jungen, deutschen Wilden, die den Handmade-Gitarrenmarkt mit gutem Handwerk und frischen Ideen aufmischen wollen. Preuß war mit einem Quintett Gitarren angereist, das seine Bandbreite stimmig repräsentiert – z. B. eine 16″-Archtop im Stil einer alten Gibson ES-350 mit einem floating (!) Charlie-Christian-Pickup, eine kleine L-type Akustik-Steelstring, eine T-type Solidbody Thinline und das auffällige Modell The Henry in Red-sparkle-Lackierung, das in Zusammenarbeit mit dem Online-Guitarshop Guitar Wash entstand und nun zu deren Twangtone Guitar Edition gehört.

 

Aus der derzeitigen Kult-Metropole der USA, Portland/Oregon, stammt Phil Sylvester und seine Company Pheo Guitars. Der studierte Gitarrist, der nebenbei auch Abschlüsse als Mathematiker und Architekt erreichte, ist eigentlich Bildender Künstler und baut auch deshalb einzigartige, kunstvolle Gitarren-Objekte, die aber nicht nur unfassbar eigenständig aussehen, sondern auch interessante Konstruktions-Details aufweisen. So sind viele seiner Gitarren zusammenklappbar. Außerdem verwendet Sylvester bei seinen Pheo Guitars sehr oft Holz von alten Gibson- und Fender-Instrumente aus den 50er und 60er Jahren, denn er hat irgendwann einmal angefangen, alte, oft defekte Instrumente der Einsteigerklasse dieser beiden US-Riesen aufzukaufen – also Juniors, Specials, Melody Makers etc. von Gibson, und Musicmaster, Duo-Sonic etc. von Fender. “Denn die haben dort natürlich das gleiche gute, alte Holz verwendet wie bei den teuren Modellen”, sagt Phil und hat damit natürlich Recht.

 

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Peggy White gehört zu der Fraktion der Gitarrenbauerinnen, die auf der diesjährigen Show ihr Heimatland Kanada vertraten und an deren Spitze Linda Manzer steht. Peggy White baut feine Steelstrings, und auch in ungewöhnlichen Größen – wie z. B. die hier abgebildete, niedliche Soprano Guitar.

 

Alejandro Ramirez Antolin ist seit 2005 mit seiner Firma O3 Guitars selbstständig unterwegs. Er zeigte in Berlin (übrigens unweit der ehemaligen O2-Arena…) Bässe und Gitarren, die bis ins Detail eine außergewöhnliche Vearbeitungsqualität aufweisen und durch ungewöhnliche Designs auffallen. So wie das wie eine Haifischflosse geformte obere Korpushorn des fünfsaitigen Basses oder die individuelle Silhouette der Semiakustik mit der Spalted-maple-Decke.

 

Neubauer

Andreas Neubauer aus Wien hat vor allem – Love to Sale! Das sagt er jedenfalls. Außerdem: Gäbe es einen Preis für den “best dressed man” der Holy Grail Show, hätte Neubauer ihn gewonnen! Neben der außerordentlichen Qualität, die seine Instrumente aufweisen, besticht das ungewöhnlich breite Sortiment. Denn Neubauer ist bekannt dafür, vom Kontrabass bis hin zur Mandoline exquisite Custom-Gitarren herzustellen. Hier seine Version eines ES-335-Typs.

 

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Er gehörte zu den Ausnahmen der Ausstellung, denn Giulio Negrini von Negrini Guitars aus Italien baut Rock-Solidbodys! Und das meist mit Floyd-Rose-Bestückung, Fanned Freting und gerne auch mal in sieben- und achtsaitigen Ausführungen. Dennoch – was Flammen und Wolken angeht, wurde auch hier an nichts gespart, schließlich ist man ja Südeuropäer und dementsprechend elegant und tasty aufgestellt!

 

Eine der auffälligsten Erscheinungen der diesjährigen und auch letztjährigen Veranstaltung war Michihiro Matsuda von Matsuda Guitars – vielleicht weil der gebürtige Japaner, der längst in Redwood/CA in den USA eine Heimat gefunden hat, einer der zurückhaltendsten war? Wie im letzten Jahr stand auch nur ein einziges Instrument auf seiner Ausstellungsfläche – eine wunderbare, kleine Steelstring, deren Design und Klang eine beeindruckende Einheit darstellten. Kein Wunder, dass die Gefährtin des Autoren dieser Zeilen diese als ihre Lieblingsgitarre der Show ausmachte. Schade, dass wir die € 14.000 für dieses Kleinod gerade nicht dabei hatten…

 

Stephen Raphael Marchione von Marchione Guitars LLC kommt aus den USA – und brachte zwei eigenwillige Semiakustik-Gitarren mit einem eigenen, sehr gelungenen Design mit.

 

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Star-Gitarrenbauerin Linda Manzer war mit zwei Modellen angereist – auf eine dieser Gitarren wartete bereits sehnsüchtig ein Kunde, der sie im letzten Jahr bei der Kanadierin bestellt hatte. Das zweite Modell war eine seltene Sitar-Steelstring (siehe Bild).

 

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Lutherie Antoine Prabel zeigten phantasievolle Archtops und Semiakustikik-Designs – wieder ein Beispiel für den fast schon spielerischen Umgang der französischen Gitarrenbauer mit Faktoren wie Tradition, Ergonomie und optische Gestaltung. Sehr gelungen!

 

Le Fay hatten äußerst geschmackvolle Variationen ihrer Klassiker Pangton, Herr Schwarz und Remington Steel im Gepäck. Besonders die Modelle in schillernden Sparkle-Lackierungen gehörten zweifellos zu den Blickfängern der Show, wobei auch die wild gemaserten Kollegen nicht weniger attraktiv daherkamen. Ein sehr unterhaltsamer Reiner Dobbratz stellt im obigen Video alle Instrumente in Rekordzeit vor! Aber nur, um sich in einem zweiten Clip umso ausführlicher zu äußern. Hier kommt die Extended Version…

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