Höfner Ignition B-Bass im Test

E-Bass mit Hohlkorpus im Violinendesign von Höfner, stehend
Dieter Stork

 

Es ist ein kleiner und handlicher Bass, doch ein großes Original: Der Höfner-Shortscale mit dem Violin-Korpus ist durch den Bassisten der legendären Beatles selbst zur unsterblichen Legende geworden.

 

 

Tatsächlich wird das betagte und international gesuchte 500/1-Modell noch heute in diversen Varianten hergestellt, allerdings muss man für das Original aus deutscher Fertigung auch ziemlich tief in die Tasche greifen. Einen Ausweg bot Höfner bislang mit dem erheblich günstigeren Contemporary-Modell aus asiatischer Fertigung, welches zwar optisch dem echten 500/1 gleicht, aber durch den eingebauten Sustainblock behutsam den modernen Anforderungen angepasst wurde. Nun gibt es den Beatle-Bass in der Ignition-Serie nochmals preisgünstiger aus Indonesien, wobei wiederum die originalgetreue Hollowbody-Bauweise interessant ist.

 

hoefner_ignition_b_bass_1
Dieter Stork
Auch der Ignition arbeitet mit der eigensinnigen Original-Schaltung.

 

Konstruktion des Höfner Ignition B-Bass

Natürlich macht es einen Klangunterschied, ob der Korpus komplett hohl ist oder einen massiven Mittelblock enthält, und das nicht nur im rein akustischen Klang. Was da an resonanten Schwingungen zurück auf die Saiten übertragen wird, kann nämlich durchaus deutlich den Elektroton formen, vor allem dann, wenn es lauter wird.

Zwar ist der eingeleimte Shortscale-Hals trotz anderslautender Angaben des Herstellers auf der Website keine dreistreifige Konstruktion aus Ahorn mit Buchenholz-Mittelstreifen, sondern preisgünstiger aus einem Streifen Ahorn gebaut und besitzt eine angeschäftete Kopfplatte.

Doch in einem anderen wichtigen Punkt, nämlich der Korpus-Konstruktion aus Sperrholz, hält sich der Ignition prinzipiell an die traditionellen Vorgaben. Für die Front wurde dabei eine Deckschicht aus Fichte gewählt, die Zarge und der zweiteilige Boden zeigen geflammten Ahorn, im Inneren stützt wie ehedem nur ein kleiner Holzblock unter dem Steg die gewölbte Decke gegen den ebenfalls gewölbten Boden ab. Beim Ignition kommt freilich 6 mm starkes Sperrholz zum Einsatz, wo die deutschen Originale etwas dünnwandiger und empfindlicher sind.

Die Farbe der hochglänzend polierten Zweiton-Lackierung erscheint in den Gelbtönen ein wenig offensiver als beim gediegenen Original, doch ansonsten kann man den Ignition durchaus als gelungene Replika des guten, alten Beatle-Basses bezeichnen, auch wenn sie sich in einigen Details unterscheidet. Dazu gehört ferner, dass der Sattel nicht aus drei kontrastierenden Lagen zusammengesetzt ist, sondern schlicht aus schwarzem Kunststoff besteht, und statt der kultigen Radio-Knöpfe finden sich auf den beiden Volume-Potis Standardteile, wie sie beim Jazz-Bass-Tonregler verwendet werden. Außerdem ist die Schaltung des Bedienfelds nicht frei verlötet, sondern sitzt auf einer Platine, die preisgünstigeren Tonabnehmer sehen allerdings trotz geringfügig schmalerer Form aus wie die Höfner-Humbucker. Damit der Laie Original und Kopie nicht durcheinander bringt, prangt auf dem Deckel für den Halsspannstab natürlich das Namenskürzel „B-Bass“ sowie „HI Series“.

 

hoefner_ignition_b_bass_2
Dieter Stork
Wie beim Original kommen kleine, offene Gitarren-Einzelmechaniken zum Einsatz.

 

Der Höfner Ignition B-Bass in der Praxis

Halsform und Spielgefühl sind beim Ignition originalgetreu getroffen, auch wenn im Palisandergriffbrett hier fette (makellos hochglanzpolierte) Jumbo-Bünde sitzen. Am Gurt hängt der Violinbass übrigens ohne Kopflast, was man wohl nicht nur der kurzen 76-cm-Mensur, sondern auch dem geringen Gewicht zu danken hat. Nur knapp 2,4 kg bringt der leichtgängig bespielbare Hohlbass auf die Waage und dürfte somit eine eigene Komfortklasse begründen!

Natürlich hat der Hersteller es sich nicht nehmen lassen, die kultige Originalschaltung auch beim Günstigmodell anzuwenden, auch wenn mancher irritiert sein wird, dass aus dem Instrument kein Elektrosignal mehr herauskommt, wenn sowohl der Bass- als auch der Treble-Schalter auf „On“ steht. Aber das muss aus historischen Gründen genauso sein, denn das Bass-Preset schaltet den Steg-Pickup aus und der Treble Schalter tut das Gleiche mit dem Hals-Tonabnehmer. Zusätzlich wird mit dem Bass-Schalter übrigens originalgetreu auch eine Höhendämpfung eingeschaltet und mit dem Rhythm/Solo-Umschalter kann man auf die Schnelle zwei angemessen dosierte Pegelvarianten abrufen. Möchte man einfach die ungefilterten Tonabnehmer-Signale nach eigenem Geschmack mischen, gehören Bass- und Treble-Preset ausgeschaltet, die Mixtur wird dann an den getrennten Volume-Potis eingestellt. Wie bei jedem Vollresonanz-Bass ist auch bei diesem Instrument zu bedenken, dass der maximale Verstärkerpegel durch das Einsetzen von Rückkopplungen bestimmt wird; zwar gibt sich der Ignition aufgrund des etwas dickeren Korpusmaterials recht unproblematisch, doch ist er prinzipiell eher weniger für extreme Einsätze mit Mörderlautstärke zu empfehlen.

Manche Kopie mag wie ein Höfner aussehen, klingt aber völlig anders. Denn es gibt ihn, den speziellen Höfner-Sound mit seinem zupackend bassig-tiefmittigen Tonfundament und dem akustisch wirkenden Zigarrenkisten-Timbre, das eben nur ein Höfner besitzt. Und im trotz aller Detailunterschiede verblüffend authentischen Klang liegt wohl die größte Stärke des günstigen Ignition-Modells, das eben genauso klingt, wie ein Höfner klingen soll. Nicht nur bei Live-Sessions in gepflegter Lautstärke, sondern gerade auch für Aufnahmen ein starkes Charakter-Original, welches bassiger rüberkommt als viele erwachsene Longscales!

 

hoefner_ignition_b_bass_3
Dieter Stork
Die einzelnen Saitenauflagen aus Bunddraht können zur Oktavjustierung versetzt werden.

 

Resümee

Kleiner Preis, starke Leistung: Mit dem Ignition-Modell, das günstig in Indonesien gefertigt wird, liefert Höfner eine würdige Kopie des legendären Beatle-Basses für den schlanken Geldbeutel. Selbstverständlich gibt es im Detail einige Abweichungen vom Original, aber der Gesamteindruck ist ordentlich, und nicht nur die Optik, sondern auch das Spielgefühl ist gut getroffen. Wobei der entscheidende Punkt aber die eigentliche Überraschung ist, denn der HI-B-Bass erzeugt tatsächlich den typischen Höfner-Sound! Allein schon wegen des enormen Preisunterschieds zum Original ist dies wohl sensationell und wird die Ignition-Serie zum Bestseller machen.

 

Übersicht

Fabrikat: Höfner

Modell: Ignition Series B-Bass

Typ: E-Bass mit Hohlkorpus

Herkunftsland: Indonesien

Mechaniken: vernickelt; offene Stimmmechaniken, Palisander-Steg, Trapez-Saitenhalter, konventionelle Gurtknöpfe

Hals: eingeleimt; einstreifig Ahorn mit angeschäfteter Kopfplatte

Griffbrett: Palisander

Halsbreite: Sattel 40,0 mm; XII 45,9 mm

Bünde: 22, Jumbo

Mensur: 762 mm, Shortscale

Korpus: Sperrholz; Decke mit Fichten-Decklage, Zargen u. Boden mit Riegelahorn-Decklage

Oberflächen: Hochglanzlack

Tonabnehmer: passiv: 2x Humbucker

Elektronik: passiv

Bedienfeld: 2x Volume, Schalter Rhythm/Solo, Schalter Bass On, Schalter Treble On

Saitenabstände Steg: verschiebbar; ca. 14 mm

Gewicht: ca. 2,4 kg

Lefthand-Option: Sunburst-Modell, ohne Aufpreis

Vertrieb: Höfner

91083 Baiersdorf

www.hofner-guitars.com

Zubehör: Billig-Kabel

Preis: ca. 299

 

Plus

  • Klang
  • Gesamteindruck
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung

 

Minus

  • Rückkopplungs-Empfindlichkeit bei hoher Verstärkung
Schreibe einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: